Schnecken Check
Gut zu wissen

Vergiftung durch Atemgase

Geruchs- und geschmackslos, nicht erkennbar – nicht immer ist unsere Atemluft so gesund, wie sie sein sollte. Daher sollte man wissen, worauf es bei der Symptomerkennung ankommt.

Geruchs- und geschmackslos, nicht erkennbar – nicht immer ist unsere Atemluft so gesund, wie sie sein sollte. Daher sollte man wissen, worauf es bei der Symptomerkennung ankommt.

Mit der Theorie zum ersten Tauchschein lernt man einiges über Stickstoff, dem Gas mit dem größten Anteil an unserer Atemluft. Dessen Wirkung unter Druck ist uns allen bekannt als Tiefenrausch oder Stickstoffnarkose. Aber es gibt weitere Gase, die wir in der Taucherei nicht außer Acht lassen sollten. Schäden durch Atemgase treten vor allem in der Isopressionsphase (Druck bleibt gleich) auf, da hier der Partialdruck des jeweiligen Gases am größten ist. Es kommt zu Vergiftungserscheinungen, einer akuten Intoxikation (Vergiftung). Wie Sie sehen werden, sind es meist selbst gemachte Probleme wie zu große Risikobereitschaft mit dem Überschreiten von Grenzen, die zu Vergiftungen durch Atemgase führen. Angst vor dem Tauchen braucht trotzdem niemand zu haben. Das A und O sind eine sinnvolle Tauchgangsplanung und der sorgfältige Umgang mit Ausrüstung und Technik.


SAUERSTOFF

Sauerstoff ist für uns überlebenswichtig, da der Körper zu jeder Zeit darauf angewiesen ist. Paradoxerweise ist er für uns nur in Grenzen verträglich. Beim Tauchen mit Druckluft wird das allerdings erst ab einer Tiefe von über 66 Metern relevant. Die Sauerstoffintoxikation gibt es in einer akuten und einer chronischen Form. Betroffene Organe sind die Lunge und das Gehirn. Die Wirkung auf die Lunge wird als Lorrain-Smith-Effekt bezeichnet und führt über die Dauer zu Veränderungen des Lungengewebes. Sie ist die chronische Form und abhängig vom Partialdruck und der Einwirkzeit. Beim reinen Sporttaucher ist dies beim Presslufttauchen ohne Bedeutung. Es sind große Tauchtiefen und lange Grundzeiten notwendig. Betroffen ist somit das Sättigungstauchen. Von Bedeutung ist sie ebenfalls bei der hyperbaren Sauerstofftherapie in einer Druckkammer.

Die Wirkung auf das Gehirn nennt man Paul-Bert-Effekt. Diese akute Form tritt plötzlich beim Überschreiten einer kritischen Grenze des Sauerstoffpartialdrucks auf. Diese liegt bei 1,4 bis 1,6 bar. Begünstigt wird die toxische Wirkung zudem durch Kälteexposition, schwere körperliche Arbeit und fieberhafte Erkrankungen. Für den Sporttaucher ist diese Grenze beim Nitrox-Tauchen zu beachten. Die wichtigste Regel ist, die maximal mögliche Tauchtiefe strikt einzuhalten. Aufgrund der unterschiedlichen Sauerstoffanteile in den Nitrox-Gemischen muss die jeweils maximale Tauchtiefe entsprechend berechnet werden. Dies gilt auch für den Wiederholungstauchgang. 

Das Symptom der akuten Sauerstoffintoxikation ist der generalisierte Krampfanfall. Es können Früh- und Warnzeichen (siehe Kasten) auftreten, diese werden aber vom Taucher oder dessen Buddy nicht unbedingt wahrgenommen. Der Krampfanfall kann auch das einzige Symptom ohne vorherige Warnzeichen sein. Nach dem Krampfanfall bleibt das Bewusstsein noch eine Weile gestört.

Wenn Warnsymptome erkannt werden, muss sofort eine niedrigere Wassertiefe aufgesucht werden, um den Sauerstoffpartialdruck zu senken. Unter Wasser kann der Krampfanfall letztendlich zum Ertrinken führen, da der Taucher das Mundstück des Lungenautomaten nicht dicht im Mund halten kann. Der Buddy muss den verunfallten Taucher sichern und dessen Mundstück im Mund festhalten. Dann sofort kontrolliert unter Einhaltung der maximalen Aufstiegsgeschwindigkeit auftauchen.

Am Ufer oder zurück im Boot müssen weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden, da es als Folge des Krampfanfalls zu einem Lungenbarotrauma oder Ertrinkungsunfall gekommen sein kann. Deswegen ist nun trotz vorheriger Sauerstoffintoxikation die Sauerstoffgabe eine wichtige Maßnahme. Es muss immer der Rettungsdienst alarmiert werden, und eine Überwachung im Krankenhaus ist dringend anzuraten, auch wenn alles glimpflich abgelaufen zu sein scheint.

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im Interview

Michael Teichner
BAUER KOMMPRESSOREN

Michael Teichner, Leiter After Sales von Bauer Kompressoren über Atemluftqualität- und Überwachung. 

»Ein Blick hinter die Kulissen ist dringend ratsam«

Wie schätzen Sie den derzeitigen weltweiten Sicherheitsstandard in puncto Atemgasqualität und Atemgastechnik ein und wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Viele Tauchbasen rund um die Welt achten auf reinste Atemluft und sind deswegen bei Tauchern und Reisenden zu Recht beliebt. Aber nicht jeder Shop, der im vorderen Verkauf top aussieht, hat im hinteren Bereich – nämlich da, wo die Atemluft in die Flaschen kommt – den Befüllprozess vollumfänglich im Griff. Ein Blick hinter die Kulissen kann sich lohnen. Bauer Kompressoren liegt die Sicherheit der Betreiber genau so am Herzen wie die der Taucher. Dazu muss der Shopbetreiber aber bestehende Regularien einhalten – die DIN ISO12021-2014 ist keine Wahlveranstaltung zu Feuchtigkeits-, CO2, CO oder Ölgehalt der Luft und die Nitroxerzeugung kein Versuchsfeld. Sicherlich gibt es hier erhebliche regionale Unterschiede.

In welchen Regionen ist es für Taucher unter diesem Aspekt aus Ihrer Sicht am gefährlichsten?

In allen entwickelten Industrienationen sind Betreiber und Eigner von Kompressoren selbst stark daran interessiert, dass Sicherheit und reine Atemluft für ihre Kunden eingehalten werden. Hier sehen wir keinen Nachholbedarf. Sind aber in bestimmten Ländern Kontrollprozesse durch Behörden nicht bzw. nur lückenhaft vorhanden, besteht die Gefahr, dass verunreinigte Atemluft aus wirtschaftlichen Gründen angeboten wird. Jeder Taucher, der sich mal die Anlage kurz zeigen lässt, kann häufig auf den ersten Blick sehen, ob hier wirklich auf den Kunden Wert gelegt wird. Fehlende Zertifikate für Atemlufttests, überfahrene Filteranlagen, viele defekte und/oder feuchte Tauchflaschen oder abenteuerliche Nitroxinstallationen, offen stehende Nachfüllpacks für Molekularsieb oder auch Kopfschmerzen bzw. Übelkeit nach dem Tauchen sind ernste Alarmzeichen, woraus jeder seine Schlüsse ziehen sollte.

Was kann man als Taucher tun, und was kann Bauer-Kompressoren tun, um dieses Problem nicht nur zu erkennen, sondern auch zu beheben?

Aktuell intensivieren wir unsere Unterstützung für den Taucher rund um den Globus, um zum Beispiel Atemlufttests an jedem Ort zu etablieren. Hierzu appellieren wir an jeden einzelnen Taucher, uns zu unterstützen und überall nach Zertifikaten und dem letzten dokumentierten Test der Atemluft zu fragen. Zusätzlich sind wir mit PADI und SSI im Kontakt, um im Rahmen der Tauchshop-Zertifizierungen unsere bestehenden Ideen umzusetzen, wie man es dem Anwender vor Ort leichter machen kann, die optimale Tauchbasis zu erkennen. Warum sollten hoheitliche Belange wie Feuerwehren und deren Luftüberwachung anders behandelt werden als die Atemluft des Reisenden, der nur Spaß haben und ohne Gesundheitsrisiken einfach mal tauchen gehen will?

Aber auch heute schon wird einem Taucher geholfen, der auf seine Gesundheit achtet und es sich einfach machen will: Auf der Bauer Pure Air Seite »www.bauerpureair.com/tauchen« findet jeder einen zertifizierten Tauchshop, der über eine Karte herausgesucht werden kann und der den strengen Bauer-Vorgaben an reinste Atemluft erfüllt. 

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