Wie gefährlich ist die Luft zum TauchenGifttiere
Nacktschnecken

Nackte Tatsachen - Nacktschnecken im Visir

Marine Nacktschnecken faszinieren durch ihre wunderschönen, psychedelisch anmutenden Farben und Muster. 



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Mit etwa 100.000 Arten sind diese winzigen Meeresbewohner mit dem wissenschaftlichen Namen Nudibranchia enorm artenreich. Ihre Verbreitung ist weltweit – sowohl als Bewohner tropischer Korallenriffe als auch in kälteren Meeren. Doch neben ihrer Ästhetik verdienen sie auch aufgrund spektakulärer biologischer Eigenschaften unsere Aufmerksamkeit.

 

Winzlinge und die Spanische Tänzerin

Die Nudibranchia gibt es in den verschiedensten Größen – von Winzlingen mit nur wenigen Millimetern Körpergröße bis hin zur deutlich größeren Spanischen Tänzerin, die bis zu 40 Zentimeter groß und über ein Kilogramm schwer werden kann. Dieser Gigant unter den Schnecken schwimmt durchs Riff: mit undulierenden Bewegungen seines Mantelsaums.

Wehrhafte Winzlinge

Nackt und schutzlos? Von wegen: Viele Nacktschnecken-Arten sind extrem toxisch. Denn sie haben durch das Fressen von Schwämmen deren Gift im Körper eingelagert. Auch ernähren sie sich von wehrhaften, winzigen Polypen. Diese werden durch den Verdauungstrakt in die so genannten Anhänge gebracht. Dort verbleiben sie im Körper der Schnecken hängend aktiv.

Greift ein Schnecken-Räuber an, wird er kräftig vernesselt. Der missglückte Angriff wird im Fischgehirn gespeichert – und zwar evolutiv, über Millionen Jahre hinweg. Gerade bunte Nacktschnecken werden grundsätzlich von Fischen gemieden. Denn wer über extrem viel Gift und Wehrkaft verfügt, ist oft besonders bunt. Das gilt für sämtliche Arten – neben Nacktschnecken seien an dieser Stelle der Pfeilgiftfrosch oder die Hornisse als Beispiele genannt. Die Farbigkeit hängt mit der erstaunlichen Wehrhaftigkeit zusammen!

Die Mimese 

Manche Nacktschnecken-Arten, wie etwa die Ceratosoma alleni, sehen kriechenden Weichkorallen zum Verwechseln ähnlich. Dadurch werden sie nur sehr selten von Tauchern entdeckt und sind rare Fotomotive. 

Kurioses Fortpflanzungsverhalten

Biologisch spannend ist die Fortpflanzung dieser Zwitter: Auf der rechten Flanke tragen Nacktschnecken das Kopulations-Organ. Beim Geschlechtsakt bildet sich auf einer Körperseite ein Kanal aus, mit dem die Tiere quasi automatisch am Körper des Partners andocken. Bei der Partner-Risbecia dockt die hintere Schnecke dabei am Schwanzende des Partners vorne an. In der Tierwelt ist dieses Verhalten einzigartig.

Die Paarung, an der gerne auch drei Individuen teilnehmen, kann einige Tage andauern. Dabei werden effektiv Geschlechtsprodukte getauscht. Nach der Befruchtung erfolgt die Ablage der spiraligen Eischnüre im Riff.

Was fressen Nacktschnecken?

Bei den Nudibranchia handelt es sich um geschickte Nahrungsspezialisten, die sich vor allem von lebenden Schwämmen, Seescheiden oder verschiedenen Nesseltieren (Cnidaria) ernähren. Kannibalen, die andere Nudibranchia fressen, gibt es auch. Ihre Raspelzunge, auch Radula genannt, wird beim Fressen vielseitig eingesetzt. Noch unklar ist, wie sich die globale Erwärmung auf Nahrungsangebot und Bestand der Schnecken auswirkt.

Wichtige Körperteile

Rhinophoren: Jede Nacktschnecke trägt vorne ein paar Fühler am Kopf. Sie dienen als Riechorgan.

 

Fotograf und Autor dieses in unterwasser 4/18 erschienen Artikels:

Kai-Jens Velling 

Vita und Homepage: www.seapictures.de

Reisetipp des Autors

Die Cocktail Divers auf der philippinischen Insel Mindoro (www.cocktaildivers.de) sind mein absoluter Favorit für die Fotografie der Nacktschnecken. Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis, und man findet einige der besten Spots weltweit.