stürmische ZeitenVolkszählung im Riff
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Wer forschen will muss leiden

Den Alltag eines Forschers kann man nicht gerade geregelt nennen und manchmal kommt man um das Wort chaotisch einfach nicht umhin. 

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Gut, dass unser Chef Eike stets den Überblick und die Motivation behält und von Plan A nach Plan B und Plan C, sowie Plan D umschwenken kann – nach fünf Jahren Leitung des COREsea Centers ist er darin Meister geworden.

Das bewundere ich, und ich kann mich als Jungforscher gleich inspirieren lassen, wie man so einen Laden mit so vielen unterschiedlichen Charakteren unterschiedlicher Ambitionen und Motivationen schmeißt. Eike leitet diesen Forschlungsladen natürlich nicht allein, sondern wird von seiner Frau Janina tatkräftig unterstützt. Irgendwie müssen wir Jungforscher und Volontäre in Schach gehalten werden – damit wir stets das Ziel vor Augen behalten und uns nicht im Projekt verzetteln. Stefan, seines Zeichens Unterwasserfotograf, hat seinen Platz als Tauchlehrer im Center und sorgt dafür, dass alle das umsichtige Tauchen in Perfektion erlernen. Zusammen mit Divemaster Vicky, werden die Tauchergruppen geleitet und beaufsichtigt.

So kann eigentlich fast nichts schiefgehen. Fast. Leider macht uns die Natur der Tropen gerne einen Strich durch die Rechnung – und ich rede nun nicht vom Wetter! Nein, ich rede von diesen kleinen Viechern, die jeder kennt: Mücken. Die mögen europäisches Blut anscheinend besonders gerne, und wenn man nicht aufpasst, können solche kleinen Stiche sich schneller als gedacht entzünden und schwupp-di-wupp, landet man im Krankenhaus zur Behandlung einer Streptokokken-Infektion.

 

 

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Das traf mich etwa gegen Ende meines Aufenthaltes – und ebenso Eike und Vicky. Dass ich die beiden im Krankenhaus wieder traf machte die Situation ziemlich urkomisch. Wenn dann gleich mal mehrere Leute in wichtigen Positionen ausfallen, wird das Dirigieren des Forschungsorchesters zu einem Akt der Herausforderung. Zusätzlich zur Personalnot gerieten wir gegen Ende der Saison in Zeitnot - wobei letzteres ja fast schon zum guten Ton in der Wissenschaft gehört und daher mehr oder weniger „eingeplant“ war. Ohne Blut, Schweiß, Fleiß (und bei so manch einem auch Tränen) eben keine Daten!

Damit die Motivation auf diesem Weg nicht verloren geht, plant Eike gerne Tauchbelohnungen für uns ein. Gegen Ende der Saison stand ein Freizeittauchgang auf dem Programm: Sailrock, ein verheißungsvoller, nach all den Erzählungen von Stefan fast magischer Ort war das Ziel. Wir sollten nicht enttäuscht werden.

Nach fast eineinhalbstündiger Bootsfahrt zu einer Felsnadel zwischen Koh Phangan und Koh Tao erwarteten uns zwei wundervolle Tauchgänge mit immens großen Zackenbarschen und einer Menge an Fischen, von denen wir an unseren Hausriffen nur träumen können. Ebenso haben wir einen Blick auf künstliche Zementstrukturen geworfen, die nicht nutzbar waren.

Es war interessant zu sehen, wie zwei unterschiedlich komplexe Anordnungen der Zementwürfel einerseits kaum genutzt wurden, während die anderen Würfel vor Fischen nur so wimmelten. Im Unterschied zu unseren Metallriffen waren die Zementriffe kaum bewachsen, was möglicherweise zum einen auf die Tiefe von 30 Metern, zum anderen wahrscheinlich auf die Oberflächenstruktur des Materials zurückzuführen ist. Da derzeit unsere Zementriffe in der Bucht von Chaloklum nicht betauchbar sind, bleibt zu hoffen, in der nächsten Saison dort Daten erheben zu können.

Jetzt aber erst einmal ein großes, dickes Dankeschön an die COREsea Crew für die tolle Unterstützung bis hierher. Wünscht uns Glück im neuen Jahr, liebe unterwasser-Leser!

Mehr Infos: coresea.com

www.facebook.com/KohPhaNganPhotographic/?pnref=story

Zur Person

Isabell Kittel
Biologin & Master-Studentin

Isabell Kittel hat einen Bachelor im »Management natürlicher Ressourcen« und studiert »International Studies in Aquatic Tropical Ecology« an der Universität Bremen. Derzeit verbringt die 26-Jährige ihr Praxissemester auf Koh Phangan, Thailand, zur Datenerhebung für ihre Masterarbeit. Als »Fan aller Unterwasserlebewesen« will sie »Wissenschaft vor verschlossenen Türen bewahren«.

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