Blog Künstliche Riffe Teil 8
Phänomene

Rette sich, wer kann

Im Meer herrscht chemische Kriegsführung. Wie gut wenn man weiß, wie man im Fall der Fälle reagiert. 


Anzeige

Gute Gründe, sich im Meer mit Gift zu wappnen, gibt es genügend. Wie immer im Tierreich, so lautet auch hier die einfachste Erklärung: »Überleben der Art«. Vor der Art jedoch kommt das Individuum, und die Strategien, die Chancen des eigenen Überlebens durch Gifteinsatz zu verbessern, sind vielfältig.

Manche Arten setzen ihre giftigen Waffen gezielt zum Beutefang ein, planen also aggressive Handlungen gegen ihre belebte Umwelt. Zu ihnen gehören Oktopusse, Nesseltiere, Kegelschnecken und Seeschlangen. Andere verhalten sich ihrer Natur gemäß friedlich, zögern jedoch im Ernstfall nicht, sich durch schwere Geschütze zur Wehr zu setzen. In dieser Kategorie finden sich zum Beispiel Stein-, Skorpions- und Rotfeuerfische.

Wieder andere besitzen zwar keine speziellen Waffen, doch ihr Körper enthält Gifte, die dem Angreifenden keine Freude an ihrem Opfer lassen. Kugelfische und Nacktschnecken verfolgen diese Strategie. Sie tragen meist eine deutliche Warnfarbe zur Schau und hoffen, dass ihre Feinde deren Bedeutung bereits an einem anderen Opfer gelernt haben oder den Irrtum bemerken und die übelschmeckende Beute ausspucken, bevor sie ernsthaft Schaden nimmt.

Manchmal auch gilt die chemische Keule gar keinen großen Beutefängern, sondern Feinden im Mikroformat: Giftige Haut­sekrete dienen in vielen Fällen als Schutz vor Hautpilzen und Bakterien. Motivationen für den Gifteinsatz im Meer gibt es also tatsächlich ganz unterschiedliche. Dass dabei auch Menschen zu Schaden kommen, ist eher zufällig als gewollt. Denn alle giftigen Meeresbewohner haben eines gemeinsam: Sie greifen Menschen nie ohne Grund an, weil er zum einen nicht auf ihrer Speisekarte steht und zum anderen angesichts eines so großen Gegenübers Flucht die beste Verteidigung ist. Wird ein Mensch von einem Gifttier verletzt, dann ist das meistens Pech – oder Dummheit.

Anzeige

Anzeige

Gegenmaßnahmen: was tun bei ....?

 ... Vernesselung

Feuerqualle, Würfelqualle, Portugiesische Galeere

Spülen mit Meerwasser, Süßwasser verstärkt den Schmerz!

Wichtig: Entladung der Nematocysten, das heißt:

• Würfelqualle: 5%ige Essigsäure (Haushalts-Weinessig) • Portugiesische Galeere: KEIN Essig – provoziert die Entladung der Nesselkapseln (zumindest bei den australischen Arten)

• Feuerqualle: Backpulver (Ammoniumbikarbonat), als Paste angerührt Tentakelteile mit Pinzette entfernen Die betroffene Partie möglichst wenig bewegen, damit das Toxin nicht noch weiter verteilt wird. Aspirin oder Ibuprofen gegen die Schmerzen Vorbeugung: Bereits leichte Bekleidung schützt

Feuerkoralle

Keine besonderen Maßnahmen; sofortiges Benetzen der betroffenen Hautpartien mit Weinessig oder 40-70%igem Isopropylakohol ...

 

Schnittverletzungen:

Krustenanemonen:

Gegenmaßnahmen nicht bekannt; in jedem Fall zum Arzt gehen. ...

 

Stichverletzungen

Steinfisch, Seeigel, Petermännchen, Dornenkrone, Stechrochen

Wasser verlassen/Verletzten aus dem Wasser bergen.

Gegebenenfalls Stacheln mit Pinzette entfernen.

Wunde desinfizieren

Gegebenenfalls tiefsitzende Stachel-/Kalkreste vom Arzt entfernen lassen.

Außerdem beim Stechrochen: den Stachel nur entfernen, wenn er nicht zu tief in der Wunde sitzt. Nur falls ein Gefäß verletzt ist: Staubinde. In jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

 

... Bissverletzungen

Blauringkrake, Seeschlange

auch wenn keine lokalen Reaktionen vorliegen: »Pressure-Immobilization«-Technik, das heißt: Arm oder Bein durch Schiene oder Stock fixieren und leicht einbinden, sodass der Lymphstrom und der Blutfluss verlangsamt werden, aber die Blutzirkulation nicht unterbunden wird. Umgehend den Arzt aufsuchen. Im Zweifelsfall: lieber schnell zum Arzt, als sich mit dem Bandagieren aufhalten.

 

... Schussverletzung

Kegelschnecke

Rascher Transport zum Arzt, bei Atemstillstand sofort Beatmung.

Nach: Dietrich Mebs, »Gifttiere«

Was man nicht tun sollte

Bei vielen Vergiftungen mit Eiweißgiften wird noch und immer wieder die Heißwassermethode empfohlen. Die betroffene Partie soll in möglichst heißes Wasser, mindestens aber 45 Grad, eingetaucht werden, solange es geht. Dadurch soll das Gift in der Wunde inaktiviert werden (das Eiweiß gerinnt). Von dieser Methode wird ausdrücklich abgeraten, da sie teils unwirksam ist, aber immer das Risiko von Verbrühungen birgt. Auch unterbleiben sollte: Ausschneiden, Aussaugen, Abbinden.

Nach: Dietrich Mebs, »Gifttiere«