GifttiereBlog Künstliche Riffe Teil 7
STORIES

Einsatz für Igelfische

Manchmal muss die eigentlich Arbeit einfach liegen bleiben. Zum Beispiel, wenn ein Geisternetz massenhaft Igelfische und andere Meerestiere tötet.

Anzeige

Vielleicht ist dem ein oder anderen bereits in den Sozialen Netzwerken ein Video untergekommen, das die enge Bindung zwischen zwei Masken-Igelfischen zeigt? Doch kaum jemand weiß über die Hintergründe Bescheid. 

Ein Geisternetz driftete in der Lagune vom Strand »Malibu Beach«, direkt in unserer Bucht. Einen Tag bevor das Video aufgenommen wurde befreiten wir schon vier Masken-Igelfische aus dem Netz. Zuerst vermuteten wir, es sei möglicherweise ein Netz, um Quallen vom Strand abzuhalten, allerdings verteilte es sich völlig wirr in der Lagune. Nachfragen bei den Fischern hatten ergeben, dass keiner wusste, wem es gehörte, und auch nicht als Schutz diente. Wir entschieden, sofort am nächsten Tag alles abzuschnorcheln, das Netz in Stücke zu schneiden und zu bergen.

Keine leichte Aufgabe, wie wir sehen mussten, und teilweise auch wirklich nicht schön, als wir auf halbverweste, schon ausgeblichene Igelfische stießen. Wir befreiten aber auch allerlei Meeresgetier wie Seegurken, Krabben und Einsiedlerkrebse, sowie Teile von leider fast abgestorbenen Korallen. Insgesamt hoben wir zwischen fast 20 Kilo Geisternetz aus der Lagune. Geisternetze sind auch natürlich hier ein weit verbreitetes Problem, und immer wieder bekommt man diese bei Tauchgängen zu Gesicht. Wir waren sehr glücklich, wenigstens eine Gefahr entfernt zu haben und können jetzt sicher sein, dass das Masken-Igelfisch-Paar seinen Weg ohne Hindernisse durch die Lagune nehmen kann!

Anzeige

Anzeige

Endspurt!

Aber auch ohne Geisternetz waren die letzten Wochen wirklich turbulent! Während ich mich wieder meiner Pechsträhne widmete und kränkelte, legten meine inzwischen vier statt zwei Volontäre einen Tauchgang nach dem anderen hin und zählten für mich Fische, Fische, Fische. Alleine in den letzten zwei Wochen wurden sicherlich 30.000 Fische gezählt – das natürlich alles auf einmal berechnet!

Und auch das Projekt »soziale Daten« kommt gut voran. Zusammen mit Naomi machte ich mich nachmittags auf die Suche nach Fischern und Tauchbasenbesitzern. Bisher können wir schon zwei Interviews mit Fischern und vier mit Tauchbasenleitern auf unserer haben-Seite verbuchen. Interessant war es als wir herausfanden, dass ein Tauchbasenleiter sich intensiv mit dem thailändischen marinen Departement auseinandergesetzt hat und sich um einen Einsatz von künstlichen Riffen vor dem Dorf gekümmert hatte. Er war so etwas wie der Bürgermeister des Dorfes und bat damals, dass den Fischern geholfen würde. Das thailändische Department engagierte sich daraufhin für die Zementriffe, die Metallriffe waren gesponserte Nachbauten von Ölplattformen.

Die Bilanz sind nun sieben bis neun Fisch-Datenaufnahmen pro Riff, was super für die statistischen Analysen ist – eigentlich sind mindestens drei Datensätze pro Riff nötig, alles was draufkommt erhöht die Genauigkeit, gerade weil sich ja doch mal Fehler einschleichen, wenn so viele Leute an einem Projekt arbeiten. Weiterhin kenne ich nun auch von den meisten Fischarten den Kilopreis, sodass ich einfache Berechnungen zu den Ökosystemdienstleistungen anstellen kann.

Mit solche einer Datenmenge im Gepäck reise ich nun erst einmal zurück nach Deutschland, wo ich mich intensiv mit der auswertung beschäftigen werde – und hoffentlich spannende Ergebnisse zeigen kann!

Ich bedanke mich hiermit noch einmal herzlich bei COREsea und allen, die diesen Aufenthalt unvergesslich schön gemacht haben. Ein Hoch auf Eike und Janina, ohne Eure Unterstützung hätte ich dieses Projekt nicht schaffen können!

Anzeige