Interview mit Dr. Ralf SonntagInterview mit Jim Standin
Offener Brief

»Walhaie in den Tod geködert ... «

Ein offener Brief zur Situation der Walhaie von Oslob und den Auswirkungen des dortigen Anfütterns ...  

Anzeige

 

»Schlimm genug, dass immer wieder Debatten geführt werden, ob es richtig oder falsch ist, wilde Tiere anzufüttern: Es sind Attraktionen für Gaffer, wo auch immer, ob Oslob oder Tiger Beach. Dabei lernt man als Taucher im Anfängerkurs: »Nicht Anfüttern!« Die Walhaie hier bei uns an der Ostküste der Insel Cebu im Örtchen »Oslob« werden angeködert und zur Schau gestellt. Philippinische Fischer machen die Drecksarbeit; viele Tauchbasen und Tauchreiseveranstalter führen ihnen ahnungslose Taucher und Schnorchler zu, ohne vorher über die biologischen Hintergründe und verheerenden Konsequenzen aufzuklären. Dabei ist die Gesetzeslage klar: Wer geschützte Haiarten – wie Walhaie – anfüttert, verstößt gegen internationale und philippinische Schutzgesetze. Auch die eingeführten »Verhaltensregeln« ändern daran nichts!

Die »Cebu Daily News« prangerte immer wieder das Gafferspektakel an und berichtete aus einer Studie der NGO »Physalus«. Danach werden die Walhaie seit der Einführung der »Regeln« im Durchschnitt täglich 29 mal pro Stunde aktiv betatscht. In Oslob – und offenbar auch an anderen Stellen – gibt es nun stationäre Walhaie, vor allem juvenile Männchen, die offenbar nur noch auf das Anfüttern fokussiert sind, nicht mehr reisen und somit für den Erhalt der Art verloren sind. Weit schlimmer steht es um die erwachsenen Tiere, die Oslob nur für wenige Tage besuchen. Bis dato sind es an die 400 Tiere, alle per Foto-ID festgehalten. Sie lernen binnen weniger Tage: »Blasen und Boote = Futter«. Schon bald treibt der Instinkt sie an, ihre Wanderung fortzusetzen. Das hier Gelernte nehmen sie mit und schwimmen Kopf voran in rotierende Bootsschrauben. Wenn sie Glück haben, kommen sie mit einer abgehackten Schwanzflosse davon, wie Thomas Reichart‘s jüngster ZDF-Bericht vom 20. Februar dieses Jahres belegt. Darüber hinaus bieten sich die Tiere durch das erlernte Annähern an die Boote und das Betteln Wilderern regelrecht zum Abschlachten an. Cebu, insbesondere die Flughafeninsel Febel Mactan, lockt nicht nur Taucher, sondern steht inzwischen auch in dem Ruf, Zentrum der Hai- und Haiflossenverarbeitung zu sein.

Inzwischen sind in Oslob die Walhaisichtungen in der Region leider sehr selten geworden. Bei uns in Moalboal, entlang der Küste etwa 180 Kilometer von Oslob entfernt, sind Walhaisichtungen um über 90 Prozent zurückgegangen,. Die Sichtungen unserer Tauchbasis sind von 30 bis 40 pro Jahr vor Oslob auf drei im Jahre 2014 gesunken – und alle drei haben unser Boot angestupst, zum Betteln! In den vergangenen Jahren haben wir insgesamt drei Walhaibegegnung erleben dürfen. Fazit: Die traurige Wahrheit heute ist: Der Kampf um die Walhaie in unserer Region ist verloren. Es wird daher keine weiteren Updates unserer Seite zu diesem Thema mehr geben.«

 

 

Anzeige

Zur Person

Rudy Poitiers
Resort-Inhaber Dolphin House Moalboal / Philippinen

Rudy Poitiers ist Taucher, Umweltaktivist und Basis-Inhaber von Dolphin-House-Resort Moalboal auf den Philippinen. Er richtete sich mit diesem Schreiben im Januar 2019 an unsere Redaktion.

 

Anzeige

Anzeige