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Falscher Fisch

Falscher Fisch

Die Meeresschutzorganisation Oceana hat einen erstaunlichen Betrug aufgedeckt: mehr als jeder dritte Fisch auf den Tellern Brüsseler Restaurants ist nicht der, den man bestellt hat.

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Es ist kaum zu glauben, aber in Brüssel darf man nicht davon ausgehen, dass der Fisch, den man serviert bekommt, auch der ist, den man bestellt hat.

Eine Studie der Meeresschutzorganisation »Oceana« hat enthüllt, dass in über 30 Prozent der Fälle nicht das auf dem Teller lag, was es laut Karte sein sollte. Nachgewiesen wurde der Betrug durch eine groß angelegte Testreihe, bei der die DNA der servierten Fische untersucht und abgeglichen wurde. Besonders pikant: die Betrügerei zieht sich bis in die Kantinen der EU-Institutionen: EU-Parlamentäre und –Kommissionäre finden ebenfalls mit 38% Wahrscheinlichkeit einen anderen Fisch auf ihren Tellern, als sie bestellt haben.

Die Top-3-Arten des Fischbetrugs sind:

• Roter Tunfisch. In 95 Prozent der Fälle wurde der teure Rote Thun durch Großaugenthun oder Gelbflossenthun ersetzt – beides billige tropische Tunfischarten.

• Kabeljau – 13 Prozent: der selten gewordene Kalebjau wurde durch sieben verschiedene andere Arten ersetzt, am häufigsten durch Pangasius oder Seelachs.

• Seezunge: in 11 Prozent der Fälle wurde Seezunge durch einige andere, billigere Plattfischarten ersetzt.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Profitgier die Hauptursache hinter dem Fischbetrug sind. Teure Fischarten, wie Kabeljau oder Seezunge, die für 30 oder 40 Euro pro Gericht verkauft werden, werden zum Beispiel durch den billigeren Zuchtfisch Pangasius ersetzt. Desweiteren fürchtet Oceana, dass durch die falsche Etikettierung illegale und nicht nachhaltige Fischerei verschleiert wird. Der Betrug fängt dabei nicht erst im Restaurant, sondern schon beim Lieferanten an.

»Die DNA-Tests zeigen auf, wie weit verbreitet der Fischbetrug in den Brüsseler Restaurants und sogar in den offiziellen EU-Institutionen ist. Die Konsumenten werden betrogen und die Tür steht offen für illegale Fischerei«, fasst Lasse Gustavsson, geschäftsführender Direktor von Oceana in Europa die Ergebnisse der Studie zusammen. »Die EU muss in ihrer Fischereiwirtschaft aufräumen, Verantwortung übernehmen und dringend die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung von Fischprodukten verbessern.«

Die Proben wurden von Oceana-Mitarbeitern in den touristisch sehenswerten Vierteln und im Europaviertel in Brüssel zwischen März und Juni 2015 gesammelt. Insgesamt wurden 280 Proben aus mehr als 150 Gastronomiebetrieben untersucht: 217 aus Restaurants, 42 aus EU-Kantinen und 21 aus Sushi-Restaurants. Die DNA-Analysen wurden von der Katholischen Universität Leuven durchgeführt.

Infos: Oceana - Falscher Fisch

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