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Interview

»Wir produzieren Tauchanzüge aus recycelten Plastikflaschen«

Fourth Element gehört mit der Verwendung von recyceltem Material für die Produktion von Bade- und Tauchbekleidung zu den Vorreitern in der Tauchsportindustrie. 

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»Wir verkaufen Tauchanzüge aus recycelten Flaschen«

 

Jim Standing, Mitbegründer von Fourth Element zur Herstellung von Tauchbekleidung aus recycelten Materialien und zum Umweltschutz-Projekt »Mission 2020«.

Flaschen zu Anzügen, was hat es damit auf sich?

Alles begann 1999 als wir Fourth Element gegründet haben, um gerade im Tauchbereich möglichst funktionale Klamotten zu entwickeln. Der Grundgedanke, die Meere zu schützen, war immer da, so war Unterwäsche für Trockenanzüge im Jahr 2001 eines unsere ersten Produkte. 2014 haben wir dann angefangen, Badeanzüge aus dem Garn Econyl, das aus recycelten Geisternetzen gesponnen wird, herzustellen. 2015 kamen sie erstmals auf den Markt und seither arbeiten wir daran, ständig neue Sachen zu entwickeln. So verkaufen wir mittlerweile auch Wetsuits, T-Shirts, Tops und Pullover aus recyceltem Plastik. Ganz neu ist unser Tauchanzug aus Naturkautschuk und recycelten Flaschen, auch Unterwäsche für Trockenanzüge aus recycelten Flaschen ist in Arbeit. 

Ausschließlich aus Meeresplastik? 

Auf der Bekämpfung der Verschmutzung der Meere durch Plastik liegt unser Hauptaugenmerk. Oft verwenden wir auch Plastikflaschen, was eigentlich keine Rolle spielt, denn auch die würden vermutlich zumindest zum Teil irgendwann im Meer landen. Nicht alle Produkte sind zu 100 Prozent aus recyceltem Material, aber auch daran arbeiten wir. Zum Beispiel haben wir Tops, die zum Teil aus recyceltem Plastik, zum Teil aus recycelter Baumwolle bestehen. Man braucht unglaubliche Mengen an Wasser, um Baumwolle anzubauen – selbst Bio-Baumwolle. Konventionelle Baumwolle ist zudem voller Pestizide. Es zwar ein natürliches Produkt, deshalb aber keineswegs gut für die Umwelt. Viel besser ist der Stoff Tencel Lyocell, der aus Fasern von Pflanzen hergestellt wird, die nicht die Umwelt belasten, und der komplett biologisch abbaubar ist. Obendrein ist er sehr weich und unglaublich angenehm zu tragen. 

Eine riesige Auswahl an Kollektionen bieten Sie allerdings nicht ... 

Richtig, und das ganz bewusst. Denn obwohl unsere Produkte aus recyceltem Plastik gemacht werden – sie sind eben immer noch aus Plastik, was wiederum in der Natur landen kann. Deshalb achten wir sehr darauf, dass sie sehr halt- und vor allem belastbar sind. Sie sollen nicht alle Naselang gegen ein neueres, vielleicht schickeres Modell ausgetauscht werden, nur weil es das neu auf dem Markt gibt. Es geht um die Reduktion von Plastik, wobei da an allererster Stelle Einwegprodukte aus Plastik stehen müssen, das betrifft aber auch Mehrwegprodukte, also auch unsere Sachen – ob nun recycelt oder nicht. 

Nutzen Sie in Ihrem Unternehmen Einwegplastiksachen? 

Noch, ja. Wir haben Plastikverpackungen, die wir aber im Moment aufbrauchen. Wir kaufen aber keine neuen Sachen nach und werden voraussichtlich Mitte diesen Jahres dann komplett auf biologisch abbaubare Verpackungen wie Kartons aus recyceltem und nicht gebleichten Papier sowie zumindest zunächst auf Manioktüten umsteigen. 

Manioktüten?

Das sind Tüten aus der Stärke der Maniokwurzel. Sie sehen aus wie Plastiktüten, sind es aber nicht. Sie sind komplett biologisch abbaubar und sogar leicht verdaulich. Sollte eine doch mal weggeworfen werden, kann kein Tier, das sie frisst, daran sterben. Ich habe es selbst getestet und eine Tüte gegessen. Das Problem: Das Material reagiert nicht gut auf Minustemperaturen. Es wird dann brüchig und reißt. Also nicht die ideale Lösung, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. 

Der Teufel steckt im Detail. 

Das kann man wohl sagen! Man glaubt gar nicht, wo überall Plastik ist. Allein die vielen Anhänger mit Produktinformationen, die an Klamotten hängen! Wir sind dazu übergegangen, einfach Papieraufkleber zu nutzen – die Kunden finden es toll. 

Nun sind Ihre Produkte zwar recycelt, sie besteht aber immer noch aus Plastik. Ist das Mikroplastik, das z. B. beim Waschen in der Waschmaschine entsteht, ein Problem, das Sie adressieren? 

Auf jeden Fall! Zum einen gibt es mittlerweile Beutel, die wie ganz feine Siebe fungieren, sowie Bälle, an denen Mikropartikel haften. Am besten funktionieren aber Filter, die man am Schmutzwasserabflussrohr anbringt. 

Die Verantwortung liegt also beim Verbraucher ...

Ja, aber nicht nur. Viel brisanter wird es bei der Herstellung von Plastikprodukten – und nichts anderes sind all die Synthetikklamotten, die man überall findet – und dem entsprechenden Synthetikgarn. Aus den Plastikfabriken dieser Welt fließt viel mehr Mikroplastik in unsere Gewässer als von allen Haushalten zusammengenommen. Natürlich entsteht auch bei der Herstellung von Econyl Mikroplastik. Wir arbeiten mit der Firma Polartec zusammen, die das Garn Econyl entwickelt hat. Sie hat sich selbst sehr strenge Richtlinien auferlegt und lässt diese auch immer wieder unabhängig prüfen. So stammt das Wasser, das für die Produktion gebraucht wird, aus einem lokalen Fluss. Nach der Produktion wird es gefiltert, sodass selbst kleinste Partikel entfernt werden. Dann wird es als Trinkwasser genutzt. 

Diese Firma dürfte aber die Ausnahme sein. 

Das ist leider so. Wir sind süchtig nach Plastikklamotten – und jede Firma der Welt verwendet es. Die Ironie dahinter: Plastik wurde ursprünglich entwickelt, um Naturmaterialen günstig zu ersetzen. Dann wurde es immer weiterentwickelt, immer noch haltbarer und toxischer gemacht. Nun haben wir den Umweltsalat und versuchen naturnahe Produkte zu kreieren, die Plastik ersetzen. Das wäre wirklich der heilige Gral: Ein reines Naturprodukt, das jedwedes kommerzielle Plastik überflüssig macht. Wenn alle Menschen sich einen Filter an die Waschmaschine machen und keine Klamotten mehr kaufen würden, die Plastik enthalten, wäre unserem Planeten schon sehr geholfen. 

Das ausgerechnet aus Ihrem Mund ... 

Ja, das stimmt allerdings. Wir produzieren aber kein neues Plastik, sondern verwenden altes, vornehmlich Geisternetze, aber grundsätzliche jedwedes Plastik, um was Neues, Haltbares daraus zu machen. Wir sind nicht perfekt, aber wir bieten eine Lösung, indem wir Plastik aus der Umwelt und vor allem aus den Meeren entfernen. Und eben auch was die Verpackung angeht, ist es unser Ziel, ab Mitte nächsten Jahres ausschließlich recyceltes Plastik zu nutzen. Dazu haben wir uns auch im Rahmen der Mission 2020 bekannt. 

... an der sich mittlerweile gut 50 Organisationen beteiligen. 

Ja, der Erfolg ist fantastisch! Mission 2020 war urspünglich ein Projekt, das wir ins Leben gerufen haben. Da wir davon ausgehen musste, dass viele große Firmen, vor allem Hersteller von Tauchartikeln, ähnliche Projekte zur Minimierung des Meeresplastik gründen würden, fürchteten wir, dass der Verbraucher überrannt werden und vielleicht sogar das Interesse verlieren würde. Also haben wir die Website zu einer offenen Plattform erklärt, auf der jede Firma unentgeltlich auf sich aufmerksam machen kann, indem sie erklärt, wie und um wieviel sie bis 2020 ihren Plastikverbrauch reduzieren will. So kommt die Info gebündelt beim Verbraucher an. Die Resonanz ist unglaublich! 

 

 

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Zur Person

Paul Strike & Jim Standing
Inhaber und Gründer von »fourth element«

Paul Strike (li.) und Jim Standing gründeten Anfang 2000 die Firma »fourth element«, die Kleidung für den Über- und Unterwassereinsatz produziert. Das besondere daran, sind die eingesetzten Materialien, die zum Teil aus natürlichen Rohstoffen und aus recycelten Materialien verschiedenen Ursprungs bestehe. In Ihrer Kollektion »Ocean Positive« finden sich von Rashguard-Shirts bis hin zum Unterzieher und Tauchanzug immer mehr »umweltfreundliche« Produkte.   

https://fourthelement.com/

www.fourthelement.com

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