Wal-Kacke für die ForschungOffener Brief von Rudy Poitiers
Interview

»Die Arten stehen unter starkem Druck ...«

Vor der chilenischen Küste wurde vielleicht eine neue Orca-Art entdeckt. Was das bedeutet ... beantwortet Dr. Ralf Sonntag. 

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»Die Arten stehen unter einem starken Druck …«

Vor einigen Wochen wurde eine weitere Orca-Art entdeckt und gefilmt, von der man annimmt, dass sie eine völlig neue, eigenständige Unterart darstellt. Wir haben den Meeresbiologen Dr. Ralf Sonntag zur Bedeutung dieser Sichtung befragt.

 

Was ist so besonders an der Entdeckung dieser Orca-Population?

Das Besondere ist, dass man diese neue Art in einem der unwirtlichsten Lebensräume filmen konnte und die Vermutung nun Gewissheit wird. Tatsächlich diskutiert man bereits seit Jahren über vier oder gar fünf verschiedene Orca-Arten, die sich äußerlich nur wenig, in ihrem Verhalten aber deutlich unterscheiden.

Muss man bestehende Theorien über die Entwicklung von Arten nun umschreiben – oder werden sie durch die Entdeckung bestätigt?

Muss man nicht. Die Artbildung dient dazu, sich an neue, weiterentwickelte Umweltbedingungen anzupassen, um besser an Nahrung zu kommen oder sich davor zu schützen, selbst Nahrung zu werden. Das können äußere Merkmale sein, wie größere Muskeln, andere Zähne, Nase, Ohren etc. Wenn der Körper aber für die Anforderungen optimal ist, wie beim Orca oder einigen Haiarten, kann es durchaus auch zu starken Verhaltensanpassungen mit nur kleinen äußeren Veränderungen kommen – wie bei diesen Orcas. Genau lässt sich das erst durch genetische Untersuchungen klären.

Als wie wahrscheinlich sehen Sie es an, dass es noch weitere unentdeckte Orca-Arten gibt?

Es gibt mit Sicherheit weitere unentdeckte Arten; das gilt im Übrigen auch für Wale und Haie. Beispielsweise wird über eine weitere Blauwalart, eine Brydewalart und auch Zwergwale gesprochen. Das selbe gilt für eine dritte Manta-Art in der Karibik sowie eine weitere Hammerhai-Art, die ebenfalls in der Karibik vorkommt. Die Klimaveränderung erzeugt einen starken Druck auf die Arten, sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen und notfalls zu verändern. 

Was bedeutet so eine Aufsplittung der Arten wie bei den Orcas für den Artenschutz? 

Wenn aus einer Art plötzlich zwei oder drei werden, stimmen die Bestandszahlen nicht mehr. Das bedeutet unterm Strich, dass sie für jede der neuen Arten kleiner sind – damit ist die Gefährdung deutlich höher einzuschätzen. Ganz konkret befürchtet man dies bei den ohnehin schon stark gefährdeten Bogenstirn-Hammerhaien im Atlantischen Ozean.

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