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2020 sollte das Super-Jahr für die Ozeane werden

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2020 sollte das Super-Jahr für die Ozeane werden (Seite 2)

Covid-19 und die Ozeane?


Doch dann kam ALLES anders und die weltweite Covid-19 Pandemie brachte die Welt zum Erliegen – und wie es scheint auch das Ende des Bewusstseins um die dringend erforderlichen Maßnahmen zum Schutz unserer Ozeane!

Seit März 2020 wurden weltweit sämtliche Konferenzen und Tagungen auf Ende des Jahres oder 2021 verschoben oder komplett abgesagt! 
Und auch die Umweltschutzorganisationen mussten nahezu alle Kampagnen stoppen. Diese liefen zunehmend ins Leere als sich die Politiker weltweit ausschließlich mit der Bekämpfung der Pandemie und ihren Auswirkungen befassten. Durch die Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren wurde eine direkte Interaktionen mit der Bevölkerung und den Interessensvertretern nahezu komplett unmöglich.

Die Menschen sitzen zu Hause

Die Menschen sitzen jetzt zuhause und werden täglich von den Medien über Fernsehen, Radio und online mit Updates zur Pandemie überschwemmt, von Maßnahmen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung, den Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft, den Stand der Entwicklung von hoffentlich wirksamen Arzneimitteln und möglichen Impfungen bis zu dem traurigen Anstieg der Todeszahlen in vielen Ländern dieser Welt.

Zusätzlich kommen seit ein paar Wochen nunmehr auch noch Spekulationen zu den Ursachen der Pandemie hinzu und der Frage wer eigentlich für diese Pandemie verantwortlich sei. 


 Änderung kaum in Sicht

Daran wird sich so schnell auch nicht viel ändern - zumindest nicht grundlegend, selbst wenn Deutschland und Österreich begonnen haben erste Lockerungen vorzunehmen, deren Belastbarkeit und Dauerhaftigkeit zudem erst noch abzuwarten ist.

Denn dieses Virus wird nicht einfach wieder verschwinden, sondern sich weiter über den ganzen Globus ausbreiten, mit noch unbekannten Auswirkungen v.a. auch in den ärmsten Ländern dieser Welt.

Eine vorläufige Entwarnung wird es erst dann geben, wenn flächendeckend ein wirksamer Impfstoff verfügbar ist und wie so dann endlich die vielbeschworene Herdenimmunität erreicht haben. Das wird aber noch viele Monate dauern.

Ungebremste Zerstörung der Ozeane

Was aber die ganze Zeit über ungebremst weitergeht und teils sogar noch an Geschwindigkeit und Ausmaß zunehmen könnte, ist die ungebremste Ausbeutung und Zerstörung der Ozeane – und zwar ohne dass irgendwelche der dringend notwendigen Schutzmaßnahmen umgesetzt bzw. überhaupt erst einmal beschlossen werden können.


Die großen industriellen Fangflotten fischen weiter um die Weltbevölkerung mit Fisch zu versorgen. Insbesondere die Nachfrage nach Dosenthunfisch ist massiv angestiegen.

Die kleinen Boote müssen zwar vielerorts im Hafen bleiben aber die großen Industrieschiffe können nahezu autark viele Wochen auf See bleiben und fischen. Allerdings wird jetzt wegen der Pandemie in vielen RFMOs ohne Beobachter an Bord gefischt und auch die Kontrollen in den Häfen sind aus Infektionsschutzgründen erheblich eingeschränkt.

Während im Atlantik nur wenige Schiffe Beobachter an Bord haben müssen ist die Anwesenheit von Beobachtern auf großen Schiffen im Indischen Ozean oder im westlichen Zentralpazifik eigentlich verpflichtend. Sie sollen die Einhaltung der Fangquoten und der geltenden Schutzmaßnahmen überwachen und die Menge an Beifang von bedrohten Arten dokumentieren – jetzt aber nicht mehr!

Wichtige Beobachter müssen Schiffe verlassen

Denn die RFMOs haben ihre Beobachter aus Infektionsschutzgründen zurückbeordert – während die Fangflotten aktiv bleiben dürfen. Mangels ausreichender elektronischer Überwachung der Fangaktivitäten lastete auch bisher schon ein enormer Druck auf diesen Beobachtern und das Berichten illegaler Tätigkeiten war oftmals sogar lebensgefährlich für sie, so dass nicht immer alle Verstöße auch tatsächlich berichtet wurden.

Aber jetzt wird es definitiv keine Berichte mehr über illegale Fangaktivitäten und Verstöße z.B. gegen das Verbot des „Finning“ von Haien oder das an Bord behalten geschützter Arten geben und wohl auch überhaupt kaum noch Daten über den sogenannten ungewollten Beifang.

Sharkproject unterstützen: https://www.sharkproject.org

QR Code zur Abstimmung für die Stop Finning EU Bürgerinitiative

Die noch größere Katastrophe nach Corona?


Alles gut! Die Meere erholen sich und die Fische kommen sogar zurück in die Bucht von Venedig, liest man jetzt immer öfter in den Zeitungen, denn wir alle wollen diese positiven Nachrichten nur zu gerne hören, wie überhaupt das Verlangen nach einer heilen Welt und einer intakten Natur gerade jetzt so hoch ist wie selten zuvor.

Auch wenn dieser Virus höchstwahrscheinlich erst durch die zunehmende Umweltzerstörung und den skrupellosen Handel mit exotischen Tierarten, die eigentlich weit weg von der menschlichen Zivilisation ihren Lebensraum haben, auf den Menschen überspringen konnte, will man die bisherige Umweltzerstörung und die Gründe hierfür lieber ignorieren als aktiv korrigieren.

Wilderer haben jetzt leichtes Spiel

Es beunruhigt uns daher auch nicht, dass jetzt in abgelegenen Meeresschutzgebieten wie Cocos keine Tauchboote mehr vor Ort sind um die Langleinenflotten davon abzuhalten wieder unentdeckt Haie in den Schutzgebieten zu fangen, v.a. um der Flossen willen. Die Wilderer haben jetzt leichtes Spiel insbesondere da auch die Schiffe von Sea Shepherd und Greenpeace in den Häfen festsitzen und dies weder verhindern noch anprangern können.

Das Thema Regenwaldzerstörung und der daraus resultierende Verlust der Artenvielfalt an Land ist zwar als mögliche Ursache für die Corona-Pandemie zwischenzeitlich wieder etwas mehr in den Fokus gerückt, aber die Ozeane bleiben weiterhin außen vor!

So rangierte in einer Analyse der sozialen Netzwerkaktivitäten im April #covid-19 auf Platz 22 während #ocean nur auf Platz 144 landete. Die Begriffe Covid-19 und Natur tauchten in 90.000 Artikeln in Kombination auf und fanden so sogar Eingang in die Predigt von Papst Franciscus - aber eben nicht im Kontext mit einer Priorisierung des Ozeanschutzes.

Die ganze Welt spricht vielmehr schon jetzt davon, wie wir nach der Pandemie die schwer gebeutelte Wirtschaft wieder aufbauen können um den Wirtschaftsrückgang in 2020 durch vermehrtes Wachstum in den Jahren danach zu kompensieren.

Budgets für Klimaziele bleiben auf der Strecke

Daher werden sicherlich so manche Budgets für Klimaziele, für Meeresschutz oder für selektive Fangmethoden auf der Strecke bleiben, während die Fischereiindustrie sicherlich staatliche Hilfen fordern und bekommen wird.

Vielen Umweltschutzorganisationen dagegen geht schon jetzt das Geld aus, da jetzt viele Spenden fehlen und auch private Initiativen wie Ökoresorts mit eigenen Meeresschutzgebieten (z.B. in Indonesien oder Afrika) werden mittelfristig die fehlenden Einnahmen spüren, da die Touristen wohl noch längere Zeit wegbleiben werden.

Omega-3 gegen Corona?

Zudem war erst kürzlich in der einschlägigen Fischereipresse sogar zu lesen, dass jetzt klinische Studien gestartet worden seien um die Wirkung von EPA und DHA in der Corona-Behandlung zu bestätigen, zwei Omega-3 Fettsäuren die v.a. in Hochseefischarten vorkommen.

Also jetzt noch mehr skrupelloser Fischfang in der Hochsee mit der Behauptung dadurch Menschenleben zu retten?

Zum einen ist die medizinische Wirksamkeit dieser Nahrungsergänzungsmittel bei Corona äußerst fraglich und zum anderen lassen sich Omega-3 Fettsäuren auch aus Pflanzen gewinnen; und selbst DHA und EPA könnten z.B. in Mikroalgen produziert werden. Aber darüber spricht man natürlich nicht, denn wie sonst lässt sich die Nachfrage nach Thunfisch & Co besser ankurbeln – auf Kosten der Meere?

Was muss jetzt passieren?


Wir müssen aufwachen und zwar schnell!

Gemeinsam können wir noch eine Kursänderung erreichen und aus dieser Krise – so schlimm diese auch für uns alle momentan ist – lernen um jetzt die richtigen Grundsteine für die Zukunft der Ozeane und des Planeten legen.


Für die Ozeane bedarf es hierfür vor allem die zügige Umsetzung der für 2020 geplanten Maßnahmen und Initiativen:

  • Vertraglicher Schutz der Hochsee!
  • Ausweisung von mindestens 30% der Weltmeere als echte Meeresschutzgebiete - ohne Fischfang und anderweitige wirtschaftliche Nutzung!
  • Ein sofortiges Ende aller staatlichen Subventionen für den Ausbau der Fischerei und die Erhöhung der Fangkapazitäten!
  • Fischfang muss weltweit wieder nachhaltig und die Fangmethoden viel selektiver werden um das Artensterben aufzuhalten! Wir brauchen eine tragfähige „blue economy“, sowohl für die Industrie- als auch die Entwicklungsländer, um spätestens bis 2030 nachhaltige Entwicklungsziele zu erfüllen.
  • Effektive Maßnahmen um die CO2 Emissionen deutlich zu senken und die Erderwärmung auf maximal 1,5°C zu begrenzen!