Nauticam Unterwasser-GehäuseTest-Fazit Tauchcomputer
Computertest

Computertest in 40 Meter Tiefe

Mit aktuellen Tauchcomputern ins Tiefe und Dunkle. Wie gut lassen sie sich ablesen und wie logisch erscheint die Anzeige, wenn man kurz vor dem Tiefenrausch steht?

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Wir werden uns hüten, ein Urteil über die verschiedenen Rechenmodelle abzugeben oder diese in irgendeiner Form zu bewerten. Jeder Hersteller setzt auf seinen Algorithmus und hält ihn für der Weisheit letzten Schluss.

Den perfekten Algorithmus gibt es aber nicht. Dafür sind wir Taucher in unseren körperlichen Konstitutionen viel zu verschieden. Aber man kann auf Nummer sicher gehen. Das haben wir gemacht und die Rechner entsprechend eingestellt. Waren mehrere Modelle einer Marke im Test, so blieb ein Modell auf der neutralsten "Persönlichkeitsstufe". Das brachte Unterschiede von bis zu 35 Minuten in der Dekozeit-Vorgabe - unglaublich.

Muss man erst suchen oder besteht sogar Verwechslungs­gefahr von angezeigten Parametern, kann das gefährlich werden. In diesem Punkt spielten die großformatigen Rechner ihren Vorteil aus und erreichten die besten Bewertungen.

Am "härtesten" waren die Modelle von Suunto (mit Ausnahme des "Zoop"). Auch auffällig, dass mitunter Schwankungen in der Maximaltiefen-Anzeige von bis zu 1,5 Meter vorlagen - und das bei bau- bzw. markengleichen Rechnern. Allerdings relativierte sich das dann im Flachbereich wieder, dort, wo es wirklich auf eine exakte Tiefenangabe wegen der Dekompressionsstopps ankommt. Ebenso auffällig waren die Nullzeiten-Vorgaben. Diese schwankten zwischen den einzelnen Marken im Bereich von plus/minus fünf bis zehn Minuten bei "gleich strenger Einstellung". Zur Ablesbarkeit und Helligkeit: Farbe ist Trumpf, so war es zumindest in 40 Metern Tiefe. Gestochen scharf und deutlich erkennbar, fielen die vier Farbmodelle sehr positiv auf.

Allerdings relativierte sich das in geringer Tiefe außer beim Modell von Atomic wieder. Hier waren bei allen anderen Farbrechnern durch das grelle Licht und die schlechte Sicht jegliche Vorteile verspielt (alle Rechner wurden auf die hellste Displayanzeige gestellt). Zur Logik: Wichtiges sollte auf den ersten Blick erkennbar und hervorgehoben sein. Muss man erst suchen oder besteht sogar Verwechslungs­gefahr von angezeigten Parametern, kann das gefährlich werden. In diesem Punkt spielten die großformatigen Rechner ihren Vorteil aus und erreichten die besten Bewertungen.

 

 

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So haben wir getestet ...

Die Auswahl der Modelle lag bei den Herstellern. Kriterien von uns: maximal zwei Modelle unter und zwei über 500 Euro. Leider schafften es trotz langer Vorlaufzeit nicht alle Hersteller, rechtzeitig Produkte zu liefern.

Das Testgebiet Die Sicht war zu gut! Für unseren Test wären mehr Schwebeteilchen und weniger Licht eine wirkliche Herausforderung an die zwei Dutzend Tauchcomputer gewesen.  Aber so zeigte sich der Attersee in 40 Metern Tiefe von seiner ansehnlichsten Seite. Wenig Schwebeteilchen, grünes Dämmerlicht und fünf Grad Wassertemperatur - für 15 Minuten waren das die ersten Testbedingungen. In dieser Tiefe wurden die Ablesbarkeit und der logische Display-Aufbau bewertet.

Da man in solchen Tiefen mitunter schon einem leichten Tiefenrausch ausgesetzt sein kann, war das in puncto Logik eine ideale Testtiefe. Nach etwas mehr als 15 Minuten erfolgte der Aufstieg auf 20 Meter. Dort wurden die Rechner nochmals begutachtet und bewertet. Gleiches in zwölf und fünf Meter Tiefe. Da alle Rechner mit der konservativsten Einstellung (Luft, Tiefenstopps, höchster einstellbarer persönlicher Level) betaucht wurden, bleiben sie bis zur Aufstiegsfreigabe insgesamt etwa 70 Minuten im Drei-Meter-Bereich.

Danach erfolgte für die Computer eine knapp zweistündige Oberflächenpause. Anschließend ging es unter Einstellung des niedrigsten persönlichen Levels auf die Zieltiefe von 33 Meter, wo eine erneute Bewertung erfolgte. Während des Tauchens wurde zudem untersucht, was sie denn alles im Tauchmodus anzeigen, zulassen und wie gut der Kompass funktioniert. Gleichzeitig floss die Bedienbarkeit mit und ohne Handschuhe in die Bewertung ein, die zusätzlich im Trockenen geprüft wurde.

Ebenfalls im Trockenen ging es darum, wie lang man benötigt, um die Rechner auf Nitrox und Luft umzustellen - ohne das vorherige Studieren der Bedienungsanleitung. Durchgeführt und bewertet von drei Tauchern mit unterschiedlichen Erfahrungsgraden im Umgang mit Tauchcomputern. Zeitgleich erfolgte eine Bewertung des Bedienkomforts. In dieser Bewertung wurde nicht nur die intuitive Menüführung geprüft, sondern auch die Druckempfindlichkeit der Tasten.

Beim Funktionsumfang geht es um reine Fakten: Was kann der Rechner alles? Je mehr Funktionen, umso mehr Punkte sind erreichbar. Aber auch die Energieversorgung stand auf dem Prüfstand. Dabei haben wir nicht die Langlebigkeit der Energieträger getestet, sondern bewertet, wie praxisnah und sinnvoll die Ausstattung der Modelle mit Akkus oder Batterien ist: Knopfzellen bekommt man weltweit, Akkus nicht unbedingt und spezielle Batterie-Typen auch nicht. Insgesamt fließen in den Test somit sowohl subjektive als auch objektive Bewertungen ein. Die Bewertungen erfolgten immer durch mindestens zwei und maximal vier Tester.

Kommentar

Tester Alexander Kassler
unterwasser-Redakteur Resort Technik

"Neben den Rechnern mit den bunten Displays wirkten alle anderen wie aus grauer Vergangenheit. Interessanterweise sind es auch die »bunten«, die die meisten Individualfunktionen haben. Sicher, Tauchcomputer sind in erster Linie zum Tauchen gedacht.

Aber wenn ein durchschnittlicher Rechner so viel kostet wie ein Smartphone und das dann auch noch mit entsprechendem Gehäuse und Tauch-App genauso viel kann, dann könnte die Luft für die heutige Computergeneration schnell knapp werden.

Zum Test im Detail bleibt nur anzumerken, dass es viele kleine Ungereimtheiten gab (zu tiefe MOD, unterschiedliche Tiefenangaben, Schreibfehler), die wir so nicht erwartet hätten. Kein guter Eindruck bei den mitunter hohen Kaufpreisen."

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