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Interview mit Kompressorwart Henrik Schulz

Interview mit Kompressorwart Henrik Schulz

Henrik Schulz ist Kompressorwart im Tauch-Club Hannover (TCH). Während unserer Recherche führten wir mit ihm ein Interview, das du hier in voller Länge lesen kannst.

(Interview: Benjamin Schulze)

Unterwasser: Wie alt bist Du?
Henrik Schulz: Ich bin 32 Jahre alt.

Unterwasser: Wie lange tauchst Du schon?
Henrik Schulz: Seit 22 Jahren tauche ich, 1998 in den TCH eingetreten.

Unterwasser: Was machst Du beruflich?
Henrik Schulz: Ich bin Automatisierungstechniker

Unterwasser: In welchen Gewässern tauchst Du am liebsten?
Henrik Schulz: Am liebsten hüpfe ich in den Kreidesee Hemmoor oder gehe auf den Malediven tauchen.

Unterwasser: Wie lange bist Du schon Kompressorwart?
Henrik Schulz: Seit 2016. Vorher war ich seit 2006 Gerätewart.

Unterwasser: Was hat Dich dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen und wie wird man Kompressorwart?
Henrik Schulz: Ich habe mich schon immer für Technik interessiert und unser bisheriger Kompressorwart suchte aus beruflichen Gründen einen Nachfolger und hat mich so eingearbeitet. Ich habe hierfür ein Kompressor Betreiber- und Technikseminar bei Hubsys Airtec belegt und wurde danach von unseren Mitgliedern als Kompressorwart gewählt.

Unterwasser: Wie wichtig ist die Aufgabe eines Kompressorwartes und was sind die wichtigsten Eigenschaften eines Kompressorwartes?
Henrik Schulz: Die Aufgabe ist sehr wichtig. Jeder im Verein taucht mit dieser Luft und verlässt sich darauf, dass die Luft sauber ist! Man sollte ein großes Verständnis für Technik mitbringen. Ein Kompressor besteht aus mechanischen und elektronischen Teilen und birgt einige Gefahren. Man sollte wissen, was man sich zutraut und  sehr gründlich arbeiten.

Unterwasser: Woher hast Du Dein Wissen über den Kompressor und seinen Betrieb?
Henrik Schulz: Durch Schulungen bei Hubsys Airtec, L&W Kompressoren und aus vielen Handbücher und Explossionszeichnungen. Außerdem hilft viel praktische Erfahrung, wenn man öfter mal Wartungen an verschiedenen Kompressoren durchführt.

Unterwasser: Wenn Du an einer Basis tauchst, die Du nicht kennst, inwieweit vertraust Du darauf, dass der Kompressor vernünftige Luft liefert? Oder lässt Du Dir eher alles zeigen und willst auf Nummer sicher gehen? Wenn ja, was genau lässt Du Dir zeigen und was würdest Du einem Laien empfehlen sich zeigen zu lassen?
Henrik Schulz: Ich gehe hier auf Nummer sicher und lasse mir den Kompressor zeigen. Schön wäre ein aktuelles Messergebnis, dass die Luft getestet und in Ordnung ist. Diese findet man aber äußerst selten. Wenn der Raum schon chaotisch aussieht, der Kompressor in Öl schwimmt, so ist davon auszugehen, dass hier gerne an der notwendigen Sorgfalt gespart wird. Auch die Frage wann die Filterpatrone gewechselt wurde, sollte beantwortet werden können. Woran der Laie einen guten Kompressor erkennt:
-    Raum ist sauber und aufgeräumt.
-    Kompressor ist sauber, keine Ölpfützen oder Schmier zu sehen.
-    Der Kompressor saugt die Luft an geeigneter Stelle an (drauf achten das er keine Abgase ansaugen kann).
-    Idealerweise gibt es ein Kompressorlogbuch wo Wartungen, Filter und Ölwechsel eingetragen werden. Zumindest sollt man Auskunft erhalten wann bzw. alle wieviel Betriebsstunden der Filter gewechselt wird. Eventuell gibt es sogar eine elektronische Filterüberwachung.
-    Riecht oder schmeck die Atemluft Atemluft komisch? Wenn ja ist hier etwas überhaupt nicht in Ordnung!


Unterwasser: Was für eine Anlage betreust Du aktuell?
Henrik Schulz: Einen Bauer K14 Baujahr 1981. Dieser hat neben einer Speicherbatterie eine Automatische Fülleinrichtung sowie Filterüberwachung und eine neue Kompressorsteuerung mit diversen Sensoren. Die Anlage habe ich mit unserem Vereinsmitglied Reiner Mühlhausen von Tauchtechnik Mühlhausen vor 2 Jahren generalüberholt und auf den neusten Stand der Technik gebracht.

Unterwasser: Was genau ist Deine Aufgabe als Kompressorwart?
Henrik Schulz: Ich kümmere mich um den laufenden Betrieb des Kompressors, notwendige Wartungen sowie um die Unterweisung unserer Mitglieder in die Füllanlage. Die konkreten Aufgaben sind  Ölwechsel, Wartungen wie Reinigung der Wasserabscheider, Austausch von Verschleißteilen, Überwachung und Wechsel der Filter. Dazu kommen noch die rechtlichen Aspekte. Ich muss die  jährliche Luftanalyse beauftragen, mich um die rechtliche Aktualität unserer Füllordnung kümmern und einmal jährlich alle Mitglieder in der Füllstation unterweisen. Dazu ist die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen Pflicht!

Unterwasser: Wie viel Arbeitsaufwand bedeuten diese Aufgaben für Dich?
Henrik Schulz: Da ich im Verein gleichzeitig auch im Vorstand mitarbeite ist dieses schwierig zu sagen. Je nach notwendigen Wartungen sind es im Jahr 30-50 Stunden.

Unterwasser: Wer von euren Mitgliedern im Club ist füllberechtigt, was muss die- oder derjenige dafür machen und wie sieht ein „Füllprozess“ bei Euch aus?
Henrik Schulz: Jedes Volljährige Mitglied ist füllberechtigt und kann kostenlos jederzeit seine Flaschen füllen. Das Füllen ist bei uns sehr einfach. Man stellt seine Flasche in den Füllraum. Hier schließt man seine Flasche wie einen Atemregler am Füllschlauch an, öffnet das Flaschenventil und verlässt den Füllraum. Nun schaltet man den elektrischen Schalter auf „füllen“. Wenn die Tauchflasche voll ist (kann man am Manometer ablesen) schaltet man wieder auf „neutral“. Nun darf man den Füllraum wieder betreten um das Flaschenventil schließen. Danach entlüftet man über den Schalter den Füllschlauch und kann die Flasche vom Füllschlauch trennen. Fertig! Wir haben einen extra Füllraum, wo die Flaschen gefüllt werden. Vor Jahrzehnten ist bei uns man eine Flasche geplatzt. Schon damals hat diese Maßnahmen verhindert das jemand verletzt wurde! Auch der Kompressor sowie die ganze dazugehörige Technik steht in einem eigenen Raum, wo nur der Kompressorwart Zugang hat.

Unterwasser: Bietet Euer Tauchclub Fortbildungsmöglichkeiten in Sachen Kompressortechnik?
Henrik Schulz: Nein! Dieses überlassen wir den Herstellern und Fachbetrieben. Ich stehe unseren Mitgliedern immer für Fragen zur Verfügung. Man sollte sich aber sehr sicher sein, was man an einem Kompressor macht. Diese Fachgebiet ist nicht mal so ein „Do in yourself-Gebiet“. Neben Erfahrung braucht man sehr viel Werkzeug und kann viele Fehler am Kompressor machen. Diese sind sehr gefährlich und auch kostspielig!

Unterwasser: Kennst Du irgendeine Geschichte, bei der mal etwas Spektakuläres passiert ist? Oder ist Dir irgendetwas in besonderer Erinnerung geblieben, ein prägendes, eindrückliches Erlebnis?

Henrik Schulz: Ja, einmal habe ich einen Kompressor gesehen, der jahrelang in einem Schwimmbad betrieben wurde. Durch mangelnde Wartung war auf allen Teilen Ölkohle eingebrannt . Zusätzlich waren durch die chlorhaltige Luft alle Metallteilen angegriffen. Hier wurden dennoch bis zum Schluss Flaschen gefüllt. Ich stelle immer häufiger fest, dass Tauchshops nicht mal jährlich ihre Atemluft analysieren lassen oder wie auf einer Basis nur vom „ Guten“ Kompressor eine Analyse ausgehängt wird und gefüllt wird mit zwei anderen Kompressoren. Es gibt aber auch positive Beispiele, wie das Selayar Dive Resort (Südsulawesi, Indonesien, Anm. d. Red.). Hier ist für die örtlichen Gegebenheiten eine der besten Füllanlagen aufgebaut, die ich im Urlaub gesehen habe! Vieles hat einfach mit Wollen zu tun und wird durch Unlust und Gewinnmaximierung leider versaut.
Eine weitere Erzählung stammt von meinem Vater. Er hat in den 1980 er Jahren auf einer Tauchbasis auf Fuerteventura mitgearbeitet. Um einen neuen Kompressor dort hin zu transportieren hat er diesen zuhause in Einzelteile zerlegt, in Faltenkoffern als normales Gepäck transportiert und vor Ort wieder zusammengebaut. Kompressoren und Tauchen liegt also in der Familie.

Unterwasser: Herzlichen Dank für das Gespräch.

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Henrik Schulz ist Kompressorwart im Tauch-Club Hannover (TCH).

 

 

Der Tauch-Club Hannover e.V. hat seine Kompressorstation für Mitglieder nach den strengen Herstellervorgaben der Firma Bauer Kompressoren zertifizieren lassen.