Interview mit Corrado Cominetti
Hausbesuch beim Hersteller

Made in Italy

Unglaublich, aber wahr: Eine kleine Manufaktur im Nordwesten Italiens sorgt dafür, dass die ganze Welt mit Scubapro-Reglern tauchen kann.

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Ginge es nach der schönsten Region, aus der Tauchausrüstung kommen kann, so hätten die Atemregler von Scubapro die Nase ganz weit vorn.

Sestri Levante, zwischen Genua und La Spezia an der Ligurischen Küste gelegen, ist typisch italienisch: nicht groß, nicht klein, zwei Badestrände, viele kleine urige Restaurants und an der Promenade größere, in die Jahre gekommene Prachtbauten. Ein paar hundert Meter vom Ortskern entfernt wird es dann architektonisch "mehr 70er Jahre" und noch ein paar Meter weiter liegen mehrere Industriegebiete.

Ort mit langer Tradition

In einem dieser Industriegebiete schmückt seit 1973 der Scubapro-Schriftzug einen eher unscheinbaren, mittelgroßen Gebäudekomplex. Und hier werden die Scubapro-Atemregler für die gesamte Taucherwelt produziert? Weit gefehlt. Hier befindet sich nur das Hirn der Atemregler-Produktion von Scubapro, sozusagen der Scubabrain. Hier zerbrechen sich ein halbes Dutzend Ingenieure die Köpfe über neue Atemregler, sitzen an Computern und konstruieren die Regler der Zukunft. Hinzu kommt ein halbes Dutzend "Laboranten", die jedem einzelnen Atemregler mit der korrekten Einstellung des Mitteldrucks und des Atemwiderstands den letzten Feinschliff geben.

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Von hier in die weite Welt

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Jeder auf der Welt getauchte Scubapro-Atemregler ging und geht durch eines der sechs Händepaare, die in diesem Raum sitzen, wird beatmet, geprüft und justiert. "Qualitätsmanagement ist unser größter Trumpf", erfährt man von Corrado Cominetti. Als Entwicklungschef hält er seit acht Jahren die Fäden in der Hand, setzt Vorgaben um, zerbricht sich den Kopf über Detail-Verbesserungen und löst Probleme. In erster Linie steht die Atemreglersparte auf seiner To-Do-Liste, aber auch Jackets sieht man in seinem Büro liegen.

Der CNC-Fräser steht woanders

Aber wo sind die Maschinen, die sich in die goldglänzenden Roh-Messingblöcke fräsen? Wo sind die fleißigen Arbeiter, die die Einzelteile zusammenfügen? "Rund um Genua ist die Geburtsstätte des modernen Tauchsports. Es gab und gibt daher nicht nur Hersteller wie Cressi, die alles selbst produzieren, es gibt auch spezialisierte Zulieferer. Das spart uns Geld, wir müssen uns nicht um die Maschinen und deren ständige Auslastung und Wartung kümmern." Weiterhin verrät Cominetti, dass die Zulieferer so noch mehr darum bemüht sind, immer beste Qualität zu produzieren. Insgesamt sind es zwei externe Fabriken, die einerseits das Rohmaterial in Form bringen und andererseits die Einzelteile zusammenbauen.

Im Interview

Corrado Cominetti
Entwicklungschef Scubparo

"Somit bleibt für uns am Ende das Wichtigste, die Qualitätsprüfung."

 Zum Interview mit dem Chefentwickler

Qualität im Auge

"Somit bleibt für uns am Ende das Wichtigste, die Qualitätsprüfung."Auf die Frage, ob die Scubapro-Regler deshalb immer ein paar Euro mehr kosten, antwortet der "Herr der Regler" mit einem sympathischen Lächeln: "Jein, es sind auch die Materialkosten und die Technologie, die unsere Produkte so wertvoll machen. Und es ist auch die Zeit, die es kostet, jeden Regler zu prüfen. Ihn 24 Stunden zur Seite zu legen und vor dem Versenden dann nochmals zu prüfen." Beim Rundgang durch die laborähnlichen Räum der Qualitätssicherung fällt auf, dass hier alle Mitarbeiter sehr konzentriert bei der Sache sind. Allerdings nicht verbissen, sondern mit Freude. Kleine Witzeleien, über den, der da gerade so interessiert zuschaut, wie sie das tun, was sie immer tun, und freundschaftliche Grüße an den Boss, der hier eigentlich nie vorbeischaut, vermitteln ein "gutes Betriebsklima".

Große Veränderungen

Zudem: "Bei Scubapro gab es eine große Veränderung. Ich würde sagen, dass es vor knapp zehn Jahren begann. Statt wie davor immer nur auf die Kosten zu schauen und überall zu sparen, fing man wieder an sich darauf zu besinnen, wofür Scubapro am Anfang der Firmengeschichte stand. Für Qualität und Zuverlässigkeit." Auch wenn dieser Satz wie aus dem Marketinglehrbuch klingt, so ist dennoch etwas Wahres dran. Schon lange sind die bekannten Witzeleien über vereisende Scubapro-Regler verstummt. Seit einigen Jahren steht die Marke tatsächlich wieder für hochwertige Produkte. Was sich in der Realität nicht nur in hohen Preisen sondern auch in guter Fertigungsqualität widerspiegelt. Atemregler und Jackets führen die Zuverlässigkeitsliste in diesem Punkt an. Dass auch hier ab und zu mit Kinderkrankheiten gekämpft wird, leugnet niemand. Auch nicht, dass es schon lange keine absolut Bahnbrechenden Innovationen mehr gab. Aber man hat "was in der Schublade", etwas wirklich bahnbrechendes.

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