Miss UmweltschutzInterdive mit Ausstellerrekord
Interview

"Eine profunde Ausbildung"

Der Bedarf an gut ausgebildeten Forschungstauchern wächst. Prof. Dr. Philipp Fischer über das Berufsbild Forschungstaucher.

Anzeige

Weltweit wird unter Wasser geforscht, und durch sich verändernde Umweltbedinungen entstehen zunehmend neue, spannende Projekte. Für Fragen zur Ausbildung ist der entsprechende Berufsverband, die Kommission Forschungstauchen Deutschland zuständig.

unterwasser: Wenn man vom Forschungstauchen in Deutschland spricht, kommt man rasch auf die  Kommission für Forschungstauchen.

Prof. Dr. Philipp Fischer: Ja, denn die KFT gilt als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen des professionell-wissenschaftlichen Tauchens in Deutschland. Sie ist ein eingetragener Berufsverband der in Deutschland ansässigen Forschungseinrichtungen, die wissenschaftliches Tauchen auf Grundlage der geltenden nationalen Bestimmungen und Regelwerke durchführen und unterstützt also deutsche Forscher bei ihren Arbeiten und wissenschaftlich durchgeführten Tauchvorhaben.

«Es geht darum, die bereits hohen Standards im wissenschaftlichen Tauchen weiterhin hoch – und unfallfrei – zu halten. »

Und was macht die KFT ganz konkret?

Wir entwickeln als Expertenkommission zusammen mit den zuständigen staatlichen Gremien, etwa der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, die einschlägigen Vorschriften- und Regelwerke sowie die Ausbildungspläne und Standards für das wissenschaftliche Tauchen in Deutschland. Es geht darum, die bereits hohen Standards im wissenschaftlichen Tauchen weiterhin hoch – und unfallfrei – zu halten. Und wir helfen und beraten Institute oder Universitäten bei der Projektplanung mit Forschungstauchereinsatz. Des weiteren ist die KFT die offizielle nationale Vertretung in den entsprechenden internationalen Europäischen Gremien, zum Beispiel dem European Scientific Diving Panel des Marine Boards der European Science Foundation (ESD).

Wer steht hinter der KFT?

Das sind inzwischen doch etliche deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen, die unter Wasser tätig sind. Die Universitäten Rostock, Hamburg, Oldenburg und Kiel, die Technische Universität München und das auf Helgoland angesiedelte Alfred-Wegener-Institut Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung, dann die Firma Teraqua mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg, das Max Plank Institut für Mikrobiologie Bremen, das Bundesministerium für Forschung und Technologie, die Kommission für Unterwasserarchäologie beim Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland sowie die Prüfungskommission für Forschungstaucher der DGUV.

Wenn jemand die Ausbildung zum Forschungstaucher anstrebt – was erwartet ihn dann?

Eine profunde Ausbildung mit einem je nach Ausbildungsstand der Teilnehmer vier bis achtwöchigem Lehrgang. Der wird in einem berufsgenossenschaftlich anerkannten Ausbildungsbetrieb durchgeführt. Meistens ist dieser Betrieb einer Universität angeschlossen. Unterrichtsschwerpunkte sind Tauchsicherheit und Unfallprävention wie auch Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens unter Wasser, Arbeitsschutz und taucherische Fertigkeiten.

Anzeige

Anzeige

Zur Person

Prof. Dr. Philipp Fischer
Vorsitzender der Kommission Forschungstauchen Deutschland (KFT)

Der Bedarf an gut ausgebildeten Forschungstauchern wächst. Für Fragen zur Ausbildung ist der entsprechende Berufsverband, die Kommission Forschungstauchen Deutschland zuständig.

Gibt es eine Prüfung?

Natürlich! Der Lehrgang schließt mit einer zweitägigen Prüfung in Theorie und Praxis durch die Prüfungskommission für Forschungstaucher ab, unter Vorsitz der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft - Prävention Tiefbau.

Was ist mit denjenigen, die bereits tauchen können?

Für die gibt es eine verkürzte Ausbildung, in Kooperation mit den einschlägigen Sporttauchverbänden. Sporttauchbrevets können in Deutschland als Teil der Ausbildung zum "geprüften Forschungstaucher" anerkannt werden. Und im Gegenzug kann die Qualifikation "geprüfter Forschungstaucher" auf DTSA/CMAS-Taucher** (T2) umgeschrieben werden.

Seit wann ist die Kommission für Forschungstauchen aktiv?

Die KFT wurde Anfang 1970 gegründet, auf Initiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Forschung und Technologie – dem heutigen Bundesministerium für Bildung und Forschung - und anderen wissenschaftlichen Instituten, die wissenschaftliches Tauchen als Methodik einsetzen. Anlass für die Initiative waren zwei tödliche Tauchunfälle von Wissenschaftlern, die bei ihrer Arbeit unter Wasser verunglückten. Daraufhin wurde das wissenschaftliche Tauchen als spezielle berufliche Zusatzqualifikation eingeführt.

 

Rechtliches

Die Grundlage des wissenschaftlichen Tauchens in Deutschland bildet die aus dem Siebten Buch Sozialgesetzbuch abgeleitete Regel BGR/GUV-R-2112 „Einsatz von Forschungstaucher“ in der die Ausbildung zum „geprüften Forschungstaucher“ in Deutschland geregelt ist und die Durchführung von wissenschaftlichen Tauchgängen in Absatz 1.1 definiert ist als „.....alle Taucheinsätze mit wissenschaftlicher Zielsetzung, d.h. Forschungstauchereinsätze. Hierzu zählen auch Taucheinsätze im Rahmen von Studien-, Semester- oder Diplom- und diesen gleichgestellten Arbeiten“.

Die Kommission Forschungstauchen Deutschland ist die seitens der zuständigen staatlichen Stellen benannte nationale Vertretung des wissenschaftlichen Tauchens im European Scientific Diving Panel der Marine Board der European Science Foundation. Dieser Europäischen Kommission für wissenschaftliches Tauchen gehören neben Deutschland auch Frankreich, England, Belgien, Italien, Schweden, England, Finnland und seit 2013 auch Kroatien an. Grundsätzliches Ziel der Europäischen Kommission für das
wissenschaftliche Tauchen ist die Harmonisierung der nationalen Regularien für das wissenschaftliche Tauchen in den Europäischen Mitgliedstaaten die, aufgrund geltendem EU Recht gegenseitig anerkannt werden müssen. Die Mitgliedstaaten resp. ihre benannten nationalen Komitees zertifizieren daher in Abstimmung mit den jeweiligen staatlichen Stellen (in Deutschland die Prüfungskommission für Forschungstaucher) und auf Basis der national gültigen Forschungstaucherlizenzen den European Scientific Diver (ESD). Dieses nationale Verfahren entspricht den europäisch verbindlichen Vorgaben zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsausbildungen im Europäischen Wirtschaftsraum und hat daher rechtlich auf nationalem und internationaler Ebene bestand.

Infos: www.forschungstauchen-deutschland.de

Anzeige