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BUCHVORSTELLUNG

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Bildband »Unter der Haut des Wassers/under water’s skin« von Ulrike Crespo entführt uns auf 88 Seiten in ... ja, wohin eigentlich?

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Dieses Buch ist Kunst! Anders kann ich es nicht erklären. Denn immer, wenn ich kopfschüttelnd vor einem Rätsel stehe, wirft mir jemand Brocken zu: »Kunst ist wie die Liebe, überwindet Sprache, Raum und Zeit, ist nicht immer leicht zu erkennen und vor allem baut die Kunst Brücken«.

Nun, vom »Brücken bauen« versteht die Herausgeberin nun wirklich mehr als manch anderer. Im Jahre 2008 wurde U. Crespo für außerordentliche Leistungen im sozialen und künstlerischen Bereich sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

 

 

Mit dem vorliegenden Bildband versucht sie nun auch eine Verbindung zum Herzen der Tauchergemeinde zu knüpfen. In bester Druckqualität werden dem Betrachter außergewöhnliche Werke von verwirrender Einfachheit präsentiert. Es sind genau solche Bilder, wie sie Taucher als Fehlschuss vom Speicher löschen – meistens schon während des Sicherheitsstopps. Bilder, die beim Anreichen der Kamera vom Boot oder beim Ablegen der Ausrüstung im Flachwasser entstehen. Auf ihnen erkennt der Betrachter verschwommene Wasseroberflächen, zerfasernde Ansammlungen absterbender Fadenalgen aus der Uferzone des heimischen Gartenteichs, oder ein Stück Riff aus der Vogelperspektive in kompletter Bewegungsunschärfe, als wäre der Kameramodus noch nicht vom »Grillabend« auf »Unterwasser« zurückgesetzt worden. Eingefrorene Momente von geradezu betörender Schlichtheit.

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Im Buch sucht der Leser vergeblich nach Fischen, Korallen, Wracks oder großen Begegnungen, wie sie in Bildbänden von Christoph Gerigk, Alex Mustard und David Hettich zu finden sind. »Unter der Haut des Wassers« ist eher wörtlich zu nehmen, etwa wie der mikroskopische Blick auf Dermis, auf Subkutis einer Nymphe, auf Adern, Zellen und verschwommene Knoten. Dem unwissenden Betrachter bleibt viel Interpretationsfreiraum, der fotografierende Taucher hingegen könnte in diesem Buch eine raffinierte Verwertungsmöglichkeit der eigenen Unzulänglichkeit entdecken.

Kunst kommt nicht von »Können sondern von »Machen« und liegt immer im Auge des Betrachters. In besonderen Fällen MUSS Kunst provozieren, verletzen, zum Lachen und Weinen bringen. Und damit sei alles gesagt: Dieses Buch ist Kunst, weshalb sollte ich es also erklären?

Ulrike Crespo, Unter der Haut des Wassers, ISBN 978-3-86828-519-2, 34,90 Euro

www.artbooksheidelberg.de

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