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»Es gibt keine falsche oder richtige Fotografie«

Es gibt allenfalls Vorlieben für diese oder jene Art der Aufnahme. Findet Imran Ahmad. Und setzt neue Maßstäbe für die Fotografie.

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Imran Ahmad stammt aus Singapur und hat eine Passion: Fotos kreieren, die den Betrachtern unvergessliche Erinnerungen bescheren und sie eintauchen lassen in seine ganz spezielle Welt der Bilderfaszination. unterwasser sprach mit ihm über das Spiel mit Licht, Transparenz und Reflexion.

Imran, wann und wie begann Ihre Karriere als Unterwasserfotograf?

Mein Vater inspirierte mich dazu. Er ist Polizist, fotografiert Tatorte und dokumentiert Kriminalfälle mit der Kamera. Er erzählte mir immer davon, wie er den Moment mit der Kamera einfing, der letzendlich später zur Lösung des Falls beitrug. Ich habe mir das Fotografieren allerdings selbst beigebracht – und das schon mit acht Jahren. Bei der Gelegenheit habe ich auch schon mal die Kamera meines Vaters im Meer versenkt ... Mit 16 machte ich dann die Fotografie zu meinem Beruf – in erster Linie widmete ich mich anfangs dem Modelshooting und der Hochzeitsfotografie. Zudem der Sport,- Event- und eingeschränkt auch der Naturfotografie. Ich wusste, dass zu jener Zeit ein Mangel an guten Unterwasser-Fotografen in Asien bestand. Das war für mich die Herausforderung! Ich begann daher auch mit der Unterwasserfotografie. Auch dabei war ich Autodidakt. Mit 18 bekam ich die ersten Veröffentlichungen in Printmedien in Asien, kurz darauf auch weltweit. Doch ich wollte mehr! Ich wollte und will nicht unbedingt der beste, aber der kreativste Fotograf sein. Mein Fotoarchiv soll ausgewählt und erlesen sein, nicht nur Mainstream. Mit 20 bestritt ich dann bereits nahezu 90 Prozent meines Schaffens mit der Unterwasserfotografie für internationale Tauch- und Reisemagazine. Doch ich lerne ständig dazu und versuche, mich stilistisch und technisch zu perfektionieren. So wurde ich unter anderem Unidozent am Lehrstuhl für Bildende Künste. Mit Unterwasser-Fotoprofis wie den US-Amerikanern Stephen Frink und David Doubilet oder auch Frans Lanting habe ich sehr gute Mentoren, die mich inspirieren.

Welche Art von Unterwasserfotografie bevorzugen Sie und warum?

Ich bevorzuge die kreative Annäherung ans Motiv. Ich sage immer: »Ein Fisch ist ein Fisch. Doch wie bildest du ihn einzigartig ab?« Ich kombiniere sehr gerne meine fotografischen Fähigkeiten, die ich aus den Bereichen Modelfotografie – hier vor allem das Spiel mit Licht – sowie zudem der Architektur (Komposition) und dem Fotojournalismus (sog. »story telling-Effekt«) mitbrachte, um meine Unterwasserfotos zu kreieren. Für mich sind meine Bilder die Spiegelung meiner Persönlichkeit, und ich möchte, dass sie als bleibende Werte anerkannt werden und man sich lange an sie erinnert. Daher nenne ich sie auch »Imprints«, also Eindrücke statt einfach nur Fotos.

Was war Ihre aufregendste Erfahrung als Unterwasserfotograf bzw. Taucher?

Den Ozean zu fotografieren, ist eine einzigartige Erfahrung – ja, eine Erfahrung fast nicht von dieser Welt. Meine Eindrücke aus den Meeren mit der Welt zu teilen – das ist unbezahlbar, unbeschreiblich. Ich glaube, wir als Fotografen haben die Pflicht, die Schönheiten, die die Welt für uns bereithält, einem möglichst großen Kreis zugänglich zu machen. Der Ozean ist eine Spielwiese, und wenn ich dar­in Motive einfange, versuche ich auch immer, ­dies mit den Augen des späteren Betrachters zu tun, der nicht mit mir in jenem Moment ­unter Wasser war.

Sie sind einer der ersten Unterwasserfotografen, der Reverse-Makro-Fotos macht, die man so bisher nur aus der Landschaftsfotografie kennt. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Technik im Unterwasserbereich einzusetzen?

Des armen Mannes Makrofotografie – so nennt man die Reverse-Ring-Makro-Technik. Als ich damit begann, hatte ich nicht viele Kameralinsen zur Verfügung. So lernte ich, die Linsen, die ich hatte, möglichst vielseitig einzusetzen. Ich war schon immer ein Fan von Insektenfotografie. All die Details, Farben und Formen, der außergewöhnliche Stil! Das wollte ich auf die Fotografie unter Wasser übertragen. So begann ich zu experimentieren, freundete mich immer mehr mit der Natur- und Insektenfotografie an. Die ersten Versuche allerdings waren frustrierend. Aber man lernt ja immer dazu ... Vor 15 Jahren habe ich meinen ersten Versuch gestartet. Und jetzt bin ich der erste Fotograf weltweit, der diese Technik anwendet. Die UW-Reverse Ring-Makro-Technik lässt dich aber auch ganz schön demütig werden. Wenn du glaubst, ein guter Makrofotograf zu sein, wird sie dich an die Grenzen deiner Fähigkeiten bringen. Für Fotografen, die sich nur auf ihre Ausrüstung verlassen, um zu guten Fotos zu kommen, ist sie nichts. Man braucht viel Geduld und Verständnis für das Equipment in der Hand. Warum ich so fotografiere? Weil ich neue Perspektiven eröffnen, neue Maßstäbe in der Unterwasserfotografie setzen möchte. Mit der RRM-Technik kommt man an die Grenzen des Machbaren. Ich wollte mehr Kreativität in die Makrofotografie bringen. Die RRM-Technik ermöglicht mir das. Und jetzt, wo sich immer mehr Fotografen dafür begeistern, wird der Reverse Ring-Makro-Technik auch immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. Einige Fotografen nahmen damit bereits erfolgreich an Wettbewerben teil. Es macht mich glücklich, diese Entwicklung angestoßen zu haben und sie konsequent weiterzuverfolgen.

Was wollen Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Es gibt keine falsche oder richtige Fotografie. Es gibt allenfalls Vorlieben für diese oder jene Art der Aufnahme. Und: Man darf durchaus ganz unterschiedlich ans Fotografieren herangehen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, treffen dafür ganz individuell Ihre Wahl.

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