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Zeitreise

Archäologie in Israel Teil 3 - Atlit

Vor 9000 Jahren lag der Wasserspiegel des Mittelmeers 15 Meter tiefer. Das steigende Wasser überschwemmte Dörfer und ganze Städte. Ein Glücksfall für Artchäologen.

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In die ferne Vergangenheit der Region gräbt sich zum Beispiel Ehud Galili vor, Chef des unterwasser-archäologischen Museums auf dem Gelände des Kibbutz Nahsholim, rund 30 Kilometer südlich von Haifa.

»Wir haben hier über 10.000 Jahre alte Funde«, sagt er. Und fügt begeistert hinzu: »Israel ist die Supermacht der Unterwasser-Archäologie.« Wer die Unmengen an antiken Steinankern gesehen hat, die allein den Vorplatz des Museums säumen und teilweise zum Einfassen von Blumenbeeten verwendet wurden, ist geneigt, ihm zuzustimmen.

Bis in die neolithische Zeit reichen die Spuren menschlicher Behausungen zurück, darunter einige der ältesten prähistorischen Siedlungen weltweit. Zum Beispiel ein versunkenes Dorf unweit von Atlit, genannt Atlit Yam.
Vor etwa 9000 Jahren, als hier noch Menschen wohnten, lag der Meeresspiegel des Mittelmeers rund 15 Meter flacher – was einen Küstenverlauf etwa einen Kilometer westlich des heutigen bedeutet.

So waren es Taucher, die den Ort auf neun bis zwölf Metern Tiefe entdeckten, rechteckige Gebäudereste, Feuerstellen, Werkzeuge und Keramik-Gefäße fanden – und auf einen der ältesten bekannten Steinbrunnen der Welt stießen. Heute ein Loch im Meeresboden, rund eineinhalb Meter im Durchmesser und 5,5 Meter tief, eingefasst von Steinblöcken.

Die Taucher fanden auch zehn Grabstellen. In einer davon lagen eine Frau und ein Kind, die beide zu Lebzeiten schwer erkrankt waren – die weltweit ältesten bekannten Fälle von Tuberkulose. Vier Skelette wiesen Ohrenschäden auf – ein Hinweis darauf, dass die Männer des Dorfes intensiv tauchen gingen, vermutlich auf der Suche nach Nahrung.

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Plötzlich verlassen

Warum Atlit Yam aufgegeben wurde, ist nicht genau bekannt. Überreste von gestapeltem Fisch, bestimmt für Handel oder Verzehr, lassen die Archäologen aber annehmen, dass der Ort plötzlich verlassen wurde. Einige Wissenschaftler bringen das Ende von Atlit Yam mit einem Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna vor etwa 8500 Jahren in Verbindung.

Die Flutwelle, die der Eruption folgte, habe dieser Theorie zufolge innerhalb weniger Stunden zahlreiche Küstenorte des Mittelmeers verschlungen.Wie dem auch sei: Während der letzten Eiszeit, also vor rund 20.000 Jahren, lag der Wasserspiegel des östlichen Mittelmeers 100 bis 120 Meter tiefer als heute.

Seit 20.000 Jahren knabbert das Meer an der levantinischen Küste, kaut gründlich und schluckt Stück für Stück herunter. Grund dafür, dass auch Teile der uralten Stadt Dor heute unter Wasser liegen.

Ein Ort, nur ein paar hundert Meter von Ehud Galilis Museum entfernt, in dessen Ruinen sich die Archäologen bis heute Schicht für Schicht durch die Jahrhunderte graben. Und der davon profitierte, dass er einen der wenigen geschützten Bereiche, einen der wenigen natürlichen Häfen dieses Mittelmeer-Küstenabschnitts aufwies. Ein Bereich zwischen Strand und einer vorgelagerten Felseninsel, in dem heute immer wieder Schiffswracks oder -ladungen aus vielen Epochen der Geschichte gefunden werden - oft uralten Datums und aus Holz gebaut, also auf den ersten Blick nur für das geübte Auge zu erkennen.

Pflugfurchen auf Pferderennbahn

Aber archäologische Sensationen sind eben selten aus weißem Marmor. Noch seltener krönen sie majestätisch ein Bergplateau wie die Festung Massada im Südwesten des Toten Meeres. Meist kommen sie unauffällig daher, wie die zweite, viel größere Pferderennbahn von Caesarea.

Ein ­schmaler Feldweg zweigt etwa 500 Meter westlich des früheren antiken Ortskerns von einer Pflasterstraße ab. Er führt vorbei an einer Bananenplantage und ausgedörrten Sträuchern, im Staub immer wieder winzige Tonstückchen uralter Gefäße.

Der Weg endet an einem langgestreckten Feld. Die Furchen eines Pflugs ziehen darüber hinweg. Mitten im Feld erhebt sich aus brauner Erde ein Obelisk. Entdeckt wurde die Pferderennbahn, als ein Bauer mit seinem Pflug die vergrabene Stele rammte. Wo heute ein Traktor entlangtuckert, rasten in der Antike die Pferderennwagen um den Obelisken, angefeuert von tausenden begeisterter Zuschauer.

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