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Zeitreise

Archäologie in Israel Teil 2 - Akko

Vor der Küste der Israelischen Hafenstädte Caesarea und Akko liegen Wracks aus fünf Jahrtausenden. Stück für Stück werden sie geborgen.

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Eines steht fest: Israels Mittelmeerküste ist ein Teil des bedeutendsten Schifffahrtswegs der Antike. Eine Kreuzung zwischen Afrika, Europa und den Handelswegen aus Asien.

Akko/Israel Seit der Jungsteinzeit haben sich hier Menschen niedergelassen, sind hier Schiffe und Boote in See gestochen. Über 5000 Jahre Schifffahrt an einer 180 Kilometer langen, ungeschützten Küstenlinie. Dazu die instabilen, manchmal rauen Wetter- und Seebedingungen der Levante.

"wir gehen davon aus, dass an Israels Küste alle 20 bis 25 Meter ein Schiffswrack liegt", sagt Jacob Sharvit und blickt versonnen auf eine bauchige Amphore, die er in seinen Armen wiegt wie ein Baby.

Auch sein Büro ist in einem Container untergebracht, ein Durcheinander aus Artefakten, Papieren und Computer-Bildschirmen. Allein vor der nordisraelischen Stadt Akko habe man 30 Wracks gefunden, sagt er, außerdem Anker, Parfümfläschchen, Statuen und vieles mehr. Nur: Nach den Überresten des antiken Hafens, nach den Kaianlagen, Lagerhäusern und Docks, die hier irgendwo verschüttet liegen mussten, suchten die Archäologen lange vergeblich.

Zwar stießen sie in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf ein paar phönizische Steinfundamente, doch danach fanden keine Ausgrabungen mehr statt. Der Grund: Akkos wuchtige Festungsmauern sind für solche Aktionen ein problematischer Ort. Die See nagt an ihnen, reißt Brüche in ihre Fundamente, höhlt sie aus und macht sie völlig unberechenbar.

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Das Meer zurückdrängen

Dennoch knöpfen sich die Forscher seit 2011 einen 220 Meter langen Mauerabschnitt vor. Wie so oft sind die Ausgrabungen auf den ersten Blick unscheinbar, verschwinden fast unter den sieben Meter hohen Festungsmauern, die das Gassengewirr in Akkos Altstadt vom Meer trennen.

Typisch Israel: Die Gegenwart mit ihren Basaren, Geschäften und Restaurants und die Vergangenheit, die man dem Meeresboden entreißt – all das liegt nur wenige Meter voneinander entfernt. An den Mauerfundamenten haben Arbeiter das Wasser ein paar Meter zurückgedrängt. Abschnittsweise legen sie einen etwa fünf Meter breiten Streifen mit Spundwänden trocken. So können die Archäologen trockenen Fußes ihrer Arbeit nachgehen – und gruben prompt Reste von Hafenbauten und eines Kais aus.

Zwischen den Gebäuden stießen sie auf eine dicke Schicht Schlamm, typisch für das Innere von Hafenbecken. Aus dem Schlick wühlten die Forscher zahllose bronzene Artefakte, darunter Speerspitzen und Münzen, sowie Keramik-Gefäße aus dem 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus. Dazu zahllose Amphoren für den Transport von Wein, Olivenöl und Fischpaste.

Den Archäologen wurde schnell klar: Sie standen mitten im hellenistischen Hafen von Akko. Der wurde erst von den Griechen, später dann, bis um die Zeitenwende, von den Römern genutzt – doch danach tut sich eine riesige Lücke auf.

»Die nächsten Funde, die wir haben, stammen aus einem osmanischen Hafen, etwa ab dem Jahr 1550 nach Christus – dazwischen nichts«, sagt Sharvit und schüttelt seine Glatze, also wolle er seinen Zuhörern die Ungeheuerlichkeit dieser Lücke im Fundbestand begreiflich machen.

Möglich, dass ein Erdbeben oder ein Tsunami den Küstenstreifen verwüstet habe, meint er. Aber sicher wisse man das nicht, und auch die Vorgeschichte des hellenistischen Hafens liegt weitgehend im Dunkeln. Fest steht, dass Akko auf über 4000 Jahre maritimer Geschichte zurückblickt. Vier Jahrtausende voller Rätsel, die noch irgendwo im Meeresboden schlummern.

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