Suchen und bergen: Besuch bei der BereitschaftspolizeiUW-Archäologie in Israel: Teil 2 - Akko
Zeitreise

Archäologie in Israel Teil 1 - Ceesarea

Israel ist ein Paradies für Unterwasserarchäologen. unterwasser hat Forscher bei Ausgrabungen begleitet.

Anzeige

Eine seit Jahrtausenden besiedelte Küste, die seit der letzten Eiszeit allmählich vom Meer verschlungen wird: „Israel ist die Supermacht der Unterwaser-Archäologie“, sagt der Altertums-Wissenschaftler Ehud Galili.

Caesarea/Israel Indiana Jones ist bei Archäologen nicht sonderlich beliebt: ein Abenteurer mit uralter Lederjacke, Peitsche und von Wind und Wetter gegerbtem Hut. Irgendwie unseriös, ein Graus für ernsthafte Wissenschaftler.

Die US-amerikanische Archäologin und Geologin Beverly Goodman kommt dem Hollywood-Filmhelden "Indy Jones" zumindest in ihrer Garderobe ziemlich nahe: speckiger Lederhut, zerknittertes Baumwollhemd, olivfarbene Cargo-Hose.

So steht sie hier, zwischen den weiß gestrichenen Containern der Israel Antiquities Authority in Caesarea. Goodman berichtet von der jahrtausendealten Geschichte dieses Ortes. Vom König Herodes, der hier unbedingt einen Hafen bauen wollte, obwohl sich die Stelle mangels natürlichen Schutzes vor Wind und Wellen dafür nicht eignet. Von den langen Kaianlagen, die dem Meer abgetrotzt werden mussten, um den ankernden Schiffen etwas Schutz zu gewähren. Von den prunkvollen Palastanlagen, die der geltungssüchtige Herrscher errichten ließ. Von den Römern, die das Heft in die Hand nahmen, als Herodes’ potenzielle Nachfolger sich nach seinem Tod in die Haare gerieten. Davon, dass Herodes seinen Hafen nie gesehen hat, weil er starb, bevor er fertig wurde. Dass die Römer Caesarea zum größten Hafen des Mittelmees ausbauten. Von den Byzantinern, die ihnen folgten, von den Arabern, Kreuzrittern und Mamelucken, die sich in den Jahrhunderten danach die Schlüssel zur Pforte von Caesarea aus der Hand rissen.

 

 

Anzeige

Anzeige

Antiker Tsunami?

Und von all den Spuren, die sie zurückließen. Auch unter Wasser. Die gigantischen Blöcke der Kaianlagen und Leuchttürme. Die Säulenreste und Fundamente. Die Steinanker und Wracks.

"Warum so große Teile Caesareas heute unter Wasser liegen, ist nicht sicher geklärt", sagt Goodman und tätschelt einen der unzähligen Steinanker, der an einer Container-Blechwand der grellen Sonne trotzt. "Spekuliert wird über ein Erdbeben oder eine unbekannte Erdfalte. Es könnte aber auch daran liegen, dass die Stadt von drei Tsunamis getroffen wurde."

Nach schriftlichen Quellen haben Historiker die Flutwellen auf die Jahre 115, 551 und 749 nach Christus datiert. Doch jetzt suchen die Forscher in den unberechenbaren Gewässern von Israels Mittelmeerküste auch nach physischen Belegen für die Naturkatastrophe, seien es geologische Indizien oder archäologische Funde.

"Vieles kommt nach Stürmen zutage, wenn das Mittelmeer den Sandgrund mal wieder umgegraben hat", erzählt Goodman. "Danach wird der Fundort dokumentiert und der Fund geborgen."

Und so deutet sie auf eine Reihe Amphoren, die dem Laien vorkommen wie zu groß geratene Ergebnisse eines Töpferkurses an der Volkshochschule. Uraltes Transportgut, das dem Forscher eine Menge Informationen liefert: "Antike Handelsrouten und Siedlungen, aber auch Klima und Seebedingungen - über all das geben die Amphoren Aufschluss." Und nicht nur sie, sondern auch die Fauna und Flora, die sich in Jahrtausenden auf dem Ton angesiedelt hat. "Die Forschung beginnt vor dem Reinigen der Artefakte", betont die Archäologin.

Plaudern über Pilatus

Ein paar hundert Meter weiter ist aus dem antiken Caesarea eine Art archäologischer Park geworden. Kaianlagen und Lagerhäuser aus der römischen Epoche, wuchtige Festungsanlagen aus der Zeit der Kreuzritter. Das äußere und das innere Hafenbecken, dessen Größe bis heute unbekannt ist. Ein antikes Amphitheater und eine Pferderenn­bahn. Daneben Fundamente des Palastes von Pontius Pilatus, in denen noch die rechteckigen Umrisse des einstigen Privatpools des römischen Statthalters zu erkennen sind. Und zwischen all der Vergangenheit sehr gegenwärtige Souvenirshops, Restaurants und Cafés, in denen die Gäste über Pilatus' Badefreuden plaudern und über mindestens fünf Metern nicht ausgegrabener Artefakte ihren Kaffee genießen. Harmloser Wochenend-Zeitvertreib über Zeugnissen zahlloser Epochen, denn Israels Mittelmeerküste ist eine seit Jahrtausenden fast ununterbrochen besiedelte Gegend.

"Wir haben hier ein Team aus vier Leuten", sagt Jacob Sharvit, Direktor der unterwasser-archäologischen Abteilung in der Israel Antiquities Authority. "Aber wir haben Arbeit für tausende."

Spuren im Schlick

Die klassische Methode der Archäologie, das Suchen nach menschlichen Artefakten, ist nur ein Standbein der Forschung in Caesarea. Die Wissenschaftler nehmen auch die Geologie des Meeresgrundes unter die Lupe und unternehmen Experimente mit Korallen, die Aufschluss geben sollen über Veränderungen des Klimas.

Mithilfe geophysikalischer Untersuchungen mikroskopischer Organismen im Schlick wollen Goodman und ihre Kollegen Informationen darüber gewinnen, wie sich der Bau eines Hafenbeckens auf die Natur auswirkt, vor allem auf die Sedimente. Zu diesem Zweck beherbergt einer der Container im Ausgrabungszentrum eine ganze Batterie von Aquarien. Darin werden Lebensformen aus dem nahen Mittelmeer den unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt. Anschließend werden sie unter dem Mikoskop untersucht. Hightech zwischen Blechwänden.

»Dabei haben wir zum Beispiel festgestellt, dass der Nil in der Antike seine Sedimente bis an die israelische Mittelmeerküste gespült hat«, sagt Goodman. Kurios: Die Nil-Sedimente kommen nicht mehr. Warum? Das weiß bis heute kein Mensch.

Anzeige