Bruchstelle Island
Reportage

Schatzkammer

Mehr als 400 Jahre lang wurde in den Hügeln um den slowakischen Ort Prešov nach Opalen geschürft. Es entstand ein mehr als 22 Kilometer langes Höhlenlabyrinth, das seit kurzem betauchbar ist.

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Opal übt seit der Steinzeit eine ganz besondere Faszination auf die Menschen aus. Es ist eines der wenigen amorphen Minerale, das heißt es bildet keine Kristallgitter. Dadurch entsteht ein buntfleckiges, schillerndes Farbenspiel, wenn Licht darauf trifft. Dieses »Opalisieren« macht den Edelopal zum begehrten Schmuckstein.

Sein Name kommt aus dem lateinischen »opalus« und dem griechischen »ὀπάλλιος opallios«, was so viel heißt wie »kostbarer Stein«. Seit der Antike ist Opal ein gesuchter und hoch gehandelter Schmuckstein.

Die Opalmine von Dubnik ist weltweit einzigartig. Sie wurde im Jahr 1597 erstmals urkundlich erwähnt und seitdem zur größten Opalmine ausgebaut, die es je gab. Und das bereits vor Jahrhunderten. Schon vor 150 Jahren wurde hier ähnlich viel Opal gefördert wie heute in Australien.

Hier wurde um das Jahr 1670 das mit 3035 Karat (rund 600 Gramm) größte Opalstück Europas gefunden. Man taufte den edlen Stein »Harlekin« und brachte ihn 1672 in die kaiserliche Schatzkammer in Wien. Er gilt heute als wertvollster Edelstein in der Sammlung des naturhistorischen Museums in Wien.Vom 15. bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Opalmine intensiv ausgebeutet. Danach wurde es weniger. Um 1920 wurde der Minenbetrieb schließlich eingestellt. Grundwasser füllte die bis zu 150 Meter tiefen Schächte und verschloss die faszinierende Welt dieses Industriedenkmals. Bis heute. Seit kurzem aber ist es möglich, die versunkenen Stollen zu erkunden.

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Höhlentauchen für ­Einsteiger und Fortgeschrittene. Die ­Tauchergruppe hat die ­Hauptschächte mit fixen, nicht zu verfehlenden ­Führungsleinen bestückt.

Stalaktiten bilden in einigen Gangabschnitten eine filigrane, waldartige Kulisse.

Eingang ins Labyrinth: Von einem zentralen Schacht zweigen zahlreiche ­Gänge ab. Nicht alle sind mit ­Führungsleinen erschlossen. 

Herausforderung für Fotografen: Das ­Gangsystem ist nur schwer auszuleuchten. ­Martin Strmiska hatte dazu gleich mehrere starke Subtronic-Sklavenblitze im Einsatz.

Um das Betauchen möglichst sicher zu gestalten wurden in weiten Teilen der Gänge fixe Führungsleinen mit Bohrankern angebracht. Außerdem wurden Gefahrenstellen geräumt und umfangreiche Briefing-Materialien erstellt. Alle Leinen sind regelgerecht verlegt und zeigen auch bei null Sicht den sicheren Weg zum Ausstieg.

Nur ein Teil der Mine steht unter Wasser. Vor dem Tauchgang steht also erst einmal eine Wanderung durch lange Korridore und enge Treppen an, bis man den Einstieg erreicht. Der überflutete Teil erstreckt sich über fünf Ebenen und hat eine geschätzte Länge von fünf Kilometern - und bietet dank kristallklarem Wasser ein unglaubliches Erlebnis! Die Gänge sehen aus, als hätten die Bergarbeiter gerade erst aufgehört zu arbeiten. Man fühlt sich bei dem Anblick um hundert Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt.

Viele Taucher stellen sich unter einem Bergwerk ein symmetrisches, klar strukturiertes Bauwerk vor. Das mag für viele Kohle- und Salzgruben zutreffen, aber nicht hier: Der Grundriss der Opalmine wirkt wie zufällig – wie der so oft zitierte »Schweizer Käse«. Oft zögert man an einer Abzweigung und kann nur spekulieren, wohin der nächste dunkle Tunnel führt. Löcher in Decke und Boden erlauben immer wieder Einblicke in andere Korridore. Die vertikalen Schächte, die die verschiedenen Ebenen verbinden, wirken wie zufällig angelegt. In den horizontalen Gängen sind die Spuren menschlichen Wirkens allgegenwärtig: Überall sieht man Leitern, Ausrüstungsteile, Loren-Schienen und Stützbalken-Konstruktionen. Eben alles, was die Bergleute zurückgelassen haben. Fast scheint es, als wären sie eben noch hier gewesen. Dabei ist jedes einzelne Teil mindestens 100 Jahre alt. Ein echtes Dorado für Unterwasserfotografen!

Was aber am meisten fasziniert, sind die Felswände. Verwendet man, wie unser Fotograf, starke Unterwasserlampen und -Blitze, schimmern die Wände in einem breiten Farbspektrum. Und mit etwas Geduld entdeckt man im Gestein eingeschlossene, funkelnde Opale. In einigen Gängen ragen Stalaktiten von der Decke, andernorts färben Eisenverbindungen die Wände orangerot, und etwas weiter ist plötzlich alles von feinem, hellem Sediment überzuckert.

Das Wasser hier unten ist kalt, drei bis vier Grad, und sehr mineralhaltig. Deshalb hat es einen sehr niedrigen ph-Wert und fühlt sich auf der Gesichtshaut leicht säureartig an, was das Kältegefühl noch unterstreicht. Aber es ist genau diese Kälte, die die Zersetzungsprozesse verlangsamt und es möglich macht, dass es eben noch aussieht wie vor 100 Jahren.

Höhepunkt des Tauchgangs ist der senkrechte Hauptminenschacht, der zwei Ebenen miteinander verbindet. Die Eisenträger und Schienen sind beeindruckend. Diverse Schienestränge laufen hier zusammen und zweigen wieder in dunkle Tunnel ab. Manchmal wirkt das aufgewirbelte Sediment wie Morgennebel, der die mystische Atmosphäre noch verstärkt. Die Stimmung ist kaum zu beschreiben. Aber wer es je selbst gesehen hat, wird es nie vergessen. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, tief unter der Erde zu sein, aber doch nicht in einer Höhle, sondern in einer durch Menschenhand entstandenen und durch die Natur konservierten Schatzkammer unter Tage.

Wer selbst einmal in der Opalmine abtauchen möchte, findet auf der Webseite den Kontakt für die Termin-Abstimmung und weitere ­Informationen.


www.opalmine.eu oder www.facebook.com/SlovakOpalMines

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