Vigo in Spanien - Tausendfacher HaitodBruchstelle Island

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»Europa ist gut im Haigeschäft etabliert«

Asien hat als Buhmann für Haikonsum ausgedient: 30 Prozent aller weltweit gehandelten Haiflossen kommen aus Europa, allein die Deutschen konsumieren jedes Jahr 600 Tonnen Haifleisch. Drei Mitarbeiter von Sharkproject recherchierten im spanischen Vigo, dem größten europäischen Umschlagplatz für Haie – natürlich undercover, denn Journalisten und Umweltschützer sieht man dort nicht gerne.

unterwasser: Die Erkenntnis, dass wir Europäer nicht mehr bequem mit dem Finger auf die Asiaten zeigen können, sondern vor der eigenen Tür kehren zu müssen, war sicher ein Schock.

Friedericke Kremer-Obrock: Das kristallisiert sich eigentlich schon seit einigen Jahren heraus. Europa war schon immer gut im Haigeschäft etabliert, allen voran die Spanier. Das belegen die Zahlen der ICCAT Statistik. Spätestens seit uns 2012 klar wurde, dass Finning in der EU ab 2013 endgültig per Gesetz gebannt wird, kam die Frage auf, wohin mit dem überschüssigen Fleisch. Seitdem wird Europa damit regelrecht überschwemmt.

Wie haben Sie von Vigo als europäischem Hauptumschlagplatz für den Haihandel erfahren?

Als wir 2012 das erste Mal offiziell die Haianlandungen der Spanier auf den Azoren im Hafen von Horta / Faial dokumentierten, erfuhren wir von Vigo als Umschlagplatz. Heute wissen wir, dass es der Hauptumschlagplatz in Europa ist, aber es gibt durchaus auch noch andere Plätze, zum Beispiel in Portugal.

Alles was in Vigo passiert ist legal?

Alles was "augenscheinlich" in Vigo passiert, ist legal! Bei unseren Recherchen wurden nur "legale" Haie für die Auktion angelandet. Es gibt aber auch andernorts im Hafen geschlossene Hallen für gefrorene Ware, dem größten Anteil der Ware auf den Schiffen. Dort kommt man unmöglich rein. Was dort passiert weiß kein Mensch.

Die eigentliche Sauerei passiert aber auf dem Meer, dort wo es keiner sieht und nachweisen kann. An den Langleinen, die tagelang in der Strömung treiben, hängt alles, auch geschützte Arten wir Hammerhai, Longimanus und Weißer Hai.

Diese Hochseehaie haben keine aktive Atmung, somit ersticken sie innerhalb von kürzester Zeit am Haken. Die offizielle Version laut EU ist, dass man die geschützten Arten wieder lebend ins Meer zurücksetzt. Die vermutlich traurige Wahrheit sieht wohl anders aus. Sie dürfen laut EU Recht nicht angelandet werden, somit landen sie meist tot oder schwerstverletzt wieder im Meer.

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