Mitteldeutschlands Taucherperlen
ZIELE

Blaupause

Mit der MY Blue ist seit Mai ein neues Safariboot der Luxusklasse im Roten Meer unterwegs. Autorin Nina Zschiesche war auf einer der ersten Fahrten dabei und hat sich von dem hohen Standard des edlen Kreuzers überzeugen können. 

 

 

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Viel geschlafen hat Rica Abd Elwahab in den letzten Tagen nicht. Wenn ein Safariboot seine ersten Tage auf See verbringt, ist das für den Mechaniker eine angespannte Zeit. Läuft auch alles rund? Knirscht und knackt es auch nirgends verdächtig? Solange die Motoren arbeiten und das Schiff fährt, ist auch Rica wach, selbst wenn es die ganze Nacht dauert. Erst wenn die MY Blue fest am Riff verankert ist, gönnt er sich ein paar Stunden Schlaf. Schlafen in Etappen, das sei kein Problem, sagt er und lächelt. In seinem Herrschaftsbereich, dem Maschinenraum, tuckern zwei neue MAN-Schiffsmotoren mit jeweils über tausend Pferdestärken vor sich hin. Keine alten LKW-Motoren, wie so oft auf ägyptischen Safaribooten, sondern zwei leistungsstarke Schiffsdiesel made in Germany. Hier hat man sich nicht lumpen lassen. Ebenso wenig bei den zwei Bauer-Kompressoren und der NRC-Nitroxanlage, die in weniger als einer Stunde sämtliche Flaschen auf dem Tauchdeck füllen. Der Maschinenraum der Blue ist größer als der von anderen Safaribooten, sagt Rica und freut sich, dass er aufrecht durch die Gänge laufen kann. Der Boden ist sauber, an den Wänden blitzt Chrom hervor, das Werkzeug hängt ordentlich an der Wand. Ein aufgeräumter Ort – wenn er nur nicht so laut wäre. Erst nachdem Rica die Treppe hinaufsteigt und die schwere Tür hinter sich schließt, ebbt der Lärm endlich ab. Rica muss noch die Flaschen zu Ende füllen, dann macht er eine Pause, ein kleiner Etappenschlaf könnte nicht schaden. Er war noch nie so gut auf einem Safariboot untergebracht, erzählt er, jedes Mitglied der Crew hat ein eigenes Bett, und im klimatisierten Aufenthaltsraum steht sogar ein Fernseher. Auf die Frage, wie er denn auf anderen Safaribooten untergebracht war, winkt Rica ab. Kein Vergleich, sagt er.

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Kind der Revolution

Als Luxus-Schiff war die MY Blue auch ursprünglich geplant – und zwar als Privatjacht. Doch es kam anders. Als 2011 die Revolution in Ägypten begann und keiner so recht wusste, was in den nächsten Jahren passieren würde, wurde der Bau zunächst auf Eis gelegt. Als sich die Lage allmählich beruhigte, wurde das Projekt Ende 2012 wieder aufgenommen, aber diesmal unter anderen Voraussetzungen: Nun sollte die MY Blue als kommerzielles Tauchschiff eingesetzt werden. Ein luxuriöses Schiff sollte sie aber bleiben, darin waren sich die Besitzer, ein stiller Teilhaber und die Brüder Ahmed und Moustafa Hefni, einig. Die Jacht bekam ein Tauchdeck verpasst, behielt aber ihre schnittigen Linien. Gebaut wurde die MY Blue in Moustafa Hefnis Werft in Safaga, in der auch schon die MY Saman Explorer entstanden ist. Nach mehreren verschobenen Stapelläufen – ursprünglich sollte das Schiff schon im Oktober 2015 zur Jungfernfahrt antreten – war es im April 2016 endlich soweit: Die Blue wurde vom Dock ins Wasser gelassen und im Mai auf ihren ersten Fahrten eingesetzt. Ein Safariboot der Luxus-Klasse ist die MY Blue auch geworden. Allein schon die Außenhaut, die komplett mit Fiberglas überzogen ist, fühlt sich edel an. Man möchte die Reling fast streicheln, so glatt und weich ist sie. Das Platzangebot auf dem 43 Meter langen und neun Meter breiten Schiff ist mehr als ausreichend. Die maximal 24 Gäste verteilen sich so gut, dass man sich manchmal fragt, wo nur alle geblieben sind. Orte zum Verweilen gibt es genügend: Das Mitteldeck lädt mit gepolsterten Sitzecken und gemütlichen Sitz­säcken zum Herumfläzen ein, zusätzlich gibt es hier oben einen weiteren kleinen Salon mit Breitbildfernseher und Couch, der schon dem einen oder anderen Fußballfan den Abend gerettet hat. Auf dem großen Sonnendeck verteilen sich weitere Sitzecken, Tische und Sonnenliegen. Das Dach über dem Sonnendeck ist clever gestaltet, es überspannt einen großen Bereich des Decks, einzelne Teile lassen sich jedoch herausnehmen. So findet jeder sein Plätzchen, sowohl der Sonnenanbeter, als auch der Schattensuchende. Auf dem Vorderdeck befindet sich eine weitere Sitzgruppe, die den perfekten Ort für den Sonnenuntergang bietet. Der Salon, der mit hellen Hölzern und modernen Möbeln eingerichtet ist, ist ebenfalls ein Raumwunder. Auch wenn er voll besetzt ist, wirkt er nicht voll. Die großen Fenster mit Blick aufs Meer tun ihr Übriges, um ein Gefühl von Weite zu erschaffen. Auch in den Kabinen kann man sich frei bewegen, ohne gleich anzuecken. Es gibt genügend Stauraum, der locker für eine Zweiwochentour ausreicht. Die Betten sind groß und mit ihren festen Matratzen auch für schwere Menschen geeignet. Jede Kabine hat einen Fernseher, eine gut funktionierende und angenehm leise Klimaanlage sowie einen Kühlschrank, der kaum zu hören ist. Eine Schiebetür aus Glas trennt die Dusche vom Rest des Badezimmers. Ein besonderer Pluspunkt ist die Regendusche, von denen auch zwei auf der Tauchplattform installiert sind – ein kleines, aber nettes Detail.

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Zimmer mit Aussicht

An Bord gibt es zwölf Kabinen: Im Unterdeck sieben Doppelkabinen mit Einzelbetten und im Oberdeck vier Meerblickkabinen, zwei mit Einzelbetten und zwei mit Doppelbetten, sowie eine großzügige Masterkabine mit Doppelbett am Hauptdeck. In den Oberdeck-Kabinen ist vor allem der Ausblick eine Schau: Die großen Panoramafenster eröffnen den Blick aufs Meer, sind jedoch so beschichtet, dass man nicht von außen hereinschauen kann. Auch in den Unterdeck-Kabinen gibt es nicht nur ein kleines Bullauge, sondern drei kleine Fenster, die viel Tageslicht hereinlassen.  

Statt Plastik und Kitsch kommen Edelstahl und stilvolle Einrichtungsgegenstände zum Einsatz. Das gilt auch für den Salon, wo der Wein nicht in Bechern, sondern in passenden Gläsern serviert wird. Für Kaffe-Fans gibt es nicht nur den üblichen Instant-Kaffee, sondern auch eine Nespresso-Maschine. Nachts werden die Gäste von einer angenehmen indirekten Beleuchtung – natürlich in Blau – zu ihren Kabinen geführt. Um den »Woman Touch« in den Kabinen, sprich den kleinen Details wie Seifenspender, Badvorleger und Bilder, hat sich Reiseveranstalterin Moni Hofbauer gekümmert. Die Inhaberin von Omneia Tauchen und Reisen war schon lange auf der Suche nach einem Schiff, auf dem sie ihre eigenen Vorstellungen verwirklich kann. Es sollte ein Schiff sein, das alles bietet, was des Tauchers Herz begehrt, und noch dazu einen hohen Komfort hat. Der Standard der meisten verfügbaren Safariboote passte da nicht mehr so recht dazu. »Die Gäste wollen heutzutage nicht mehr nur tauchen, tauchen, tauchen und der Rest ist ihnen egal. Sie wollen auch ein angenehmes Ambiente und einen gewissen Hauch von Luxus. Das Gesamtpaket ist entscheidend«, sagt sie. Als Moni vor zwei Jahren mit den Hefni-Brüdern ins Gespräch kam, war sie sofort Feuer und Flamme für den neuen Luxuskreuzer, der da gebaut wurde. Es entstand eine Partnerschaft, die beide Parteien zufrieden stellte. Moni hatte ein Safariboot, das sie mit gestalten konnte, und die Hefnis eine bekannte Reiseveranstalterin auf ihrer Seite, die nicht nur das Schiff vermarktet, sondern auch mehrere Monate im Jahr ihre eigenen Touren begleitet und somit ein direkter Ansprechpartner für die Gäste und die Crew ist.

Tauchen deluxe

Seitdem steht die kleine, energische Frau mit den stahlblauen Augen nicht mehr still. Gemeinsam mit den Hefni-Brüdern überlegte sie, wo die Bar hinkommt, wie die Kabinen aufgeteilt werden und vor allem – wie das Tauchdeck gestaltet werden sollte. »Wenn die Gäste schon auf einem Safariboot der Luxusklasse sind, dann sollen sie auch alle Möglichkeiten des Tauchens zur Verfügung haben«, sagt sie. Und so gibt es nicht nur Luft und Nitrox, sondern auch die Möglichkeit, technisch zu tauchen. Stage-Flaschen, zwei Scooter, Sauerstoff und Helium stehen ebenso bereit wie Kalk für Kreislauftaucher. Ein Angebot, das gern angenommen wird. Manche Taucher, wie Frank Fähnle, haben die Deko-Stage mit 50 Prozent Nitrox bei fast jedem Tauchgang dabei. »Das gibt mir die Freiheit, so zu tauchen, wie ich will. Und noch dazu erhöht es die Sicherheit, auch wenn ich die Stage nicht bei jedem Tauchgang benötige«, sagt er. Auch die Nicht-Tekkies freuen sich an der Zusatz-Ausrüstung, wie Silvia Meisinger, die die Gelegenheit nutzt und mit Tauchguide Michael Nabil eine Runde mit dem Scooter dreht. »Das ist wie Moped-Fahren unter Wasser, sehr lustig«, berichtet sie und lacht. Wenn Moni von der MY Blue spricht, nennt sie das Boot gern »unser Baby«. Aber wie das so ist mit Babys, manchmal kosten sie einen ganz schön viele Nerven. So ist die Reiseveranstalterin bei den ersten Fahrten im Mai immer wieder damit beschäftigt, sich um die Kinderkrankheiten des Schiffes zu kümmern. In der einen Kabine sickert bei starken Wellen Wasser durch das Fenster, in der anderen gehen die Schränke immer auf, und die Soundanlage tut auch nicht so, wie sie soll. Ein Elektriker und ein Schreiner sind extra mit an Bord, um kleine Schäden sofort zu beseitigen. »Bis so ein Safariboot richtig rund läuft, dauert es einfach eine Weile«, erklärt sie. Die Gäste sehen über die kleinen Probleme schnell hinweg, schließlich genießen sie das Privileg, die ersten zu sein, die auf der MY Blue Urlaub machen. So wie Wolfgang Budweiser, der als erster vom Dach des Safaribootes springt und sich freut, die Blue »entjungfert« zu haben. Vielleicht liegt die gute Laune auch an der Küche des Schiffes, denn die läuft von Anfang an reibungslos. Das Essen ist so gut, dass es regelmäßig Applaus gibt. Die Köche Ahmed Mohamed Mustafa, der zuvor bei der Seven Seas war, und Ahmed Machmud Muselhy, der sein Handwerk in Bordiehn’s Restaurant in Hurghada gelernt hat, sorgen für einen Standard, der es mit jedem gehobenen Restaurant an Land aufnehmen kann. In einer Mischung aus europäischer und ägyptischer Küche zaubern sie saftiges Steak, Roastbeef, Pasta mit Garnelen, gegrillte Auberginen, knackige Salate und hinreißende Nachspeisen auf die Teller. Spätestens bei den Abendessen auf dem Oberdeck, die bei gutem Wetter zweimal in der Woche stattfinden, fühlt man sich auch wie in einem Restaurant. Die Tische sind festlich gedeckt, die Köche präsentieren ihre Kochkünste in schicken weißen Uniformen und der Weißwein wird direkt am Tisch serviert. So lässt es sich auch als verwöhnter Feinschmecker auf einem Safariboot aushalten.

 

 

Schiffs-Steckbrief

MY Blue
Die MY Blue gehört zur Gruppe der Blue Planet Liveaboards und ist vor allem über Omneia Tauchen und Reisen zu buchen. Eine Woche mit Tauchen und Vollpension kostet ab 1099 Euro. Tauchguides: 2
Ausbildung: auf Anfrage
Beiboote: 2 x Schlauchboot (6,2 Meter) mit Außenbordmotor (85 PS)
Nitrox: ja
Rebreather: ja
Verleih Computer: nein
Verl. Fotoausrüstung: nein
Fertigstellung: April 2016
Länge: 43 Meter
Breite: 9 Meter
Tiefgang: 2,40 Meter
Kabinen: Für maximal 24 Gäste stehen zwölf Kabinen zur Verfügung: Eine Masterkabine mit Doppelbett, vier Meerblickkabinen im Oberdeck (je zwei mit Einzelbetten und Doppelbetten), sieben Doppelkabinen mit Einzelbetten im Unterdeck. Alle Kabinen mit Dusche, WC und Klimaanlage.
Maschine: 2 x MAN V12 1100 PS, 2100 U/min
Generator: 2 x Cummins C150 150KW
Entsalzungsanlage: 2 x 7 Tonnen pro Tag
Sicherheit: Diverse Funkausrüstung, Satellitentelefon, Feuerlöscher in jeder Kabine und an wichtigen Stellen, 2 x Rettungsinsel (je 25 Personen), Rettungsringe, Rettungswesten, Erste Hilfe Ausrüstung, DAN Koffer, 2 x 50 Liter Sauerstofftanks, Enos
Kompressor: 2 x Bauer K15 900 l/min sowie 1 NRC Nitrox-Membrananlage Extrem 15 900 l/min Zahlungsmittel an Bord: Bargeld in Euro, US-Dollar, Britische Sterling, Ägyptisches Pfund, sowie die gängigen Kreditkarten
Infos: www.blueplanet-liveaboards.com, www.omneia.de