M/Y Spirit of Omneia
Interview

»Es ist verdammt schwierig ... «

Christiane Nedwed weiß als Safaribootbetreiberin, was die derzeitigen Tauchbeschränkungen an den Brother Islands bedeuten. 

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Es ist sehr schwierig … 

Die Brother Islands, das Top-Riff im Roten Meer, werden nach der neuen Regelung zu einem exklusiven Ziel – für einen Tag. Wir haben bei der Betreiberin der »Seawolf«-Flotte nach den Konsequenzen für Tauchsafariboot-Betreiber gefragt.

Die Brothers sind ab sofort für Übernachtungen geschlossen. Was heißt das für euch als Liveaboard-Anbieter?

Es ist sehr schwierig. Wir können nach wie vor in der ersten Safari-Nacht zu den Brothers fahren, sofern wir die Bestätigung von der CDWS haben. Nach den Tauchgängen müssen wir dann die Brothers verlassen.

Wohin?

Das ist die große Frage. Zurück zum Festland oder zum Deadalus-Riff. Beide Ziele bedeuten lange Fahrtzeiten. Es ist wellig, und wenn das Wetter schlecht ist, dann ist das eine Zumutung für die Gäste, die Crew und das Schiff. Auch müssen wir oder die Gäste – im besten Fall – entscheiden, ob am Big Brother oder am Small Brother getaucht wird. Da aber nur zwölf Schiffe am Big Brother und sechs am Small Brother erlaubt sind, wird es wohl gar nicht erst zu einer Entscheidung kommen können. Es sei denn, wir sind mit unserem Schiff die ersten an den Brothers. Das wiederum führt zu einem sehr frühen Aufbruch am ersten Safaritag. Zudem gibt es »Lizenzen«.

Wie sehr schränkt Euch das ein?

Die Schiffe haben eine Genehmigung für Marine Parks inklusive Area 1 und 2. Dies gilt für hochseetaugliche Schiffe. Aber so ist es ja schon immer. Neu ist: Wir müssen nun unsere Safaris in ein System der CDWS eingeben. Wir müssen für einen bestimmten Tag das Tauchen an den Brothers buchen. Von der CDWS bekommen wir dann die Bestätigung für diesen einen Tag. Sollte das Wetter schlecht sein, kann an diesem Tag nicht zu den Brothers gefahren werden.

Wieso kam dies alles?

Zurückzuführen ist dies auf den Hai-Unfall im Dezember 2018. Meiner Meinung nach kam es zu diesem »Angriff«, da die Haie gelernt haben, dass viele Taucher Futter mitbringen. Hier sollte man ansetzen. Die Diveguides haben inzwischen an Schulungen teilgenommen, um das Verhalten und das Briefing zum Hai-Tauchen aufzufrischen und den Gästen weiterzuleiten. Bei einem hier durchgeführten Experiment wurde diese Theorie bestätigt. Die Haie waren nicht an dem ausgelegtem Fisch interessiert, sondern erst einmal nur an den Tauchern. Sie erwarteten Futter. Ein weiterer Punkt ist das Ablassen des Schmutzwassers. Das soll durch den eintägigen Aufenthalt an den Brothers verhindert werden. 

Glaubst Du, dass sich es irgendwann auch wieder ändern wird und man am Riff übernachten darf?

Ich denke schon. Die Brother Islands gehören zu den zehn besten Top-Tauchspots der Welt. Leider ist es immer wieder so, dass es durch menschliches Fehlverhalten Unfälle mit den Tieren gibt. Die Haie sollten wieder lernen, dass es von Menschen kein Futter gibt. Dann werden sie die Taucher nicht »belästigen « – vorausgesetzt, es hält sich jeder an die Regeln. Auch müssen wir es so sehen, dass wir als Taucher in deren Lebensraum eindringen. Wir als Taucher verhalten uns falsch, und letztendlich sind wir verwundert, dass es einen Unfall gibt? Die Konsequenzen sieht man jetzt. 

 

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Zur Person

Christiane Nedwed
Betreiberin der Liveaboard-Flotte Seawolf

Christiane Nedwed betreibt seit vielen Jahren mehrere Tauchsafariboote am Roten Meer. Für die »Seawolf«-Flotte gehören die Brother Islands zu den Haupttouren ...

www.seawolf-tauchsafari.de

 

 

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