Interview mit Uwe SeidelImmer mehr Manatis in Yucatan
Interview

»Bei uns sollte man taucherisch schon etwas drauf haben«

Volker Buder betreibt einen der bekanntesten und anspruchsvollsten Steinbruch-Tauchspots im Osten Leipzigs. 

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Die beiden professionellen Tauchbasis-Chefs der Porphyrland-Steinbruchseen, beide mit langer Verwurzelung in der Region, sind Volker Buder von der Tauchbasis am Wildschütz und Uwe Seidel vom Taucherparadies Sachsen Waldsteinberg. UNTERWASSER sprach mit beiden. Die Interviews führte Falk Wieland.

Die  dazugehörige Reisereportage »Porphyrland« finden Sie hier.

Volker Buder (75) im UNTERWASSER-Interview

Volker, seit wann tauchst Du eigentlich, wann wurdest Du Tauchlehrer?

Volker Buder: Mit Presslufttauchgeräten tauche ich seit dem Jahre 1960. Damals habe ich eine erste Ausbildung beim DRK (Deutsches Rotes Kreuz) absolviert. Im Wasserrettungsdienst kamen die ersten zivil verwendeten Tauchgeräte auf, seinerzeit Doppel-5-l-Geräte mit kompaktem Regler. Nach Gründung der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) war ich unter den ersten, die eine Tauchlehrerausbildung begannen, seinerzeit am Hufeisensee in Halle.

An welche besondere Begebenheit aus Deinem Taucherleben erinnerst Du Dich immer wieder?

Volker Buder: Es sind für mich nicht nur die spektakulären, besonderen Begebenheiten, sondern oft kleine, lehrreiche Anekdoten. Einmal habe ich für einen Berufsschullehrer mitten in einem See ein verlorenes Gebiss geborgen. Der Mann war wirklich in Not, weil er zu einer besonderen Lehrveranstaltung am nächsten Tag ohne das Gebiss nicht hätte sprechen können und zusätzlich dem Spott des Publikums am Seeufer ausgesetzt war.

Ich ließ ihn mit einem kleinen Grundgewicht, Leine und einem Ball daran dorthin schwimmen, wo er seiner Meinung nach das Gebiss verloren hatte. Nach meiner Erfahrung sind Menschen, die im Wasser etwas verlieren und dies bemerken, so geschockt, dass sie die Stelle im See annähernd wieder finden können. Aber nur, wenn sie selbst erneut im Wasser sind und die Situation rekapitulieren. Das Gebiss lag wenige Meter neben der gesetzten Mini-Boje. Wenn derjenige, der etwas verloren hat, vom Ufer aus einen Bergungstaucher an die richtige Stelle dirigieren soll, gelingt das in der Regel nicht.

Kannst Du kurz erzählen, welche Tauchschulen und Tauchbasen Du wo und wie lange geführt hast?

Volker Buder: Die Tauchschule und Tauchbasis am Bergwitzsee habe ich seit DDR-Zeiten über die Wende hinweg bis in die 1990er Jahre geführt. Nach der Wende wollte ich meinen Erfahrungsstand selbstverständlich aktuell dokumentiert und anerkannt wissen und habe als erster und in diesem Kurs einziger „Ossi“ beim VDST auf den Glenans einen Crossover zum Drei-Stern-Tauchlehrer begonnen. Ich wählte den VDST, weil zu dieser Zeit PADI und DIWA noch nicht so bedeutend erschienen. Alle anderen Kursteilnehmer kamen aus dem Westen und strebten nur einen Zwei-Stern-Tauchlehrer an. Diese Situation war vornehm ausgedrückt „nicht einfach“, aber ich habe es gemeistert (lächelt wissend).

Mit diesem Abschluss habe ich zunächst versucht, in der Dominikanischen Republik eine Tauchbasis zu gründen, doch die bewaffneten Posten vor vielen Gebäuden und die korrupten Grundstücksgeschäfte dort (1990er Jahre) wurden mir rechtzeitig unheimlich. Als nächstes erforschte ich den Standort Sharm el Sheik zu einer Zeit, als es dort erst vier Tauchbasen gab, aber es ergab sich auch nichts Sinnvolles für mich.

Schließlich kam ich auf der ITB Berlin mit einem griechischen Hotelkonzern in Kontakt und konnte auf Kreta eine an ein Hotel angeschlossene Tauchbasis gründen. Ich hatte mir vor Ort alles genau angeschaut und ausgemessen und bin dann mit Transporter und Anhänger, mit Kompressoren, 12 Tauchausrüstungen, Bau- und Bastelmaterial von Deutschland via Venedig, Patras, Heraklion dorthin gefahren. Binnen 14 Bau- und Einrichtungstagen lief die Tauchbasis in dem Sinne, dass drei Tauchgänge pro Tag angeboten werden konnten und ich kaum noch eine freie Minute hatte.

Doch heute bis Du nicht mehr auf Kreta, sondern am Wildschütz. Wie kam das?

Volker Buder: Die vier Jahre auf Kreta waren wunderbar, aber nicht einfach. Jeden Winter rüstete ich die Basis ab, fuhr heim nach Deutschland und überholte die Technik. Jede neue Saison in Griechenland erforderte neue Verträge und brachte neue Startschwierigkeiten. Es ist in diesem Zusammenhang unbedingt zu erwähnen, dass meine Frau Maria und mein Sohn Alexander während meines wirtschaftlich erfolgreichen Griechenland-Abenteuers die Süßwasser-Basis am Bergwitzsee weiter führten. Das alles zusammen und der Verkauf der Tauchschule auf Kreta ermöglichten es am Ende der Familie Buder, das heutige Basis-Wassergrundstück am Wildschützsee zu kaufen und die alleinigen Tauchrechte am Wildschütz zu bekommen.

Wer heute Wildschütz hört, denkt sicher zuerst an die große Tiefe, aber dann auch gleich an Deine Tauchstationen. Wie kamst Du auf die Idee, Unterwasserstationen zu bauen?

Volker Buder: Da gab es zufällig eine gute Ausgangssituation: Zuerst ist natürlich meine allgemeine Begeisterung für‘s Tauchen zu erwähnen, und dann auch das Interesse an den Cousteau‘schen PRECONTINENT-Stationen. Zugleich hatte mein Vater eine Maschinenschlosserei, und es lag in der Familie, aus Stahl handwerklich nahezu alles herstellen zu können. Vor den heutigen Stationen hatte ich schon aus den Hälften ehemaliger Autoklaven-Kessel der Lebensmittelbranche einfache Taucherglocken geschweißt und im Bergwitzsee aufgestellt. Damit wurden erste Erfahrungen gesammelt

 

UNTERWASSER: Und das führte dann bis zur großen Station RII?

Volker Buder: Irgendwann begegneten mir die vier Zementsilos und verschiedene große Rohre und Flansche, aus denen heute die Hauptteile der RII bestehen. Ich konnte die wichtigsten Teile zum Schrottwert bekommen. Die Station musste im Baukastenprinzip geplant und gefertigt werden, um in Teilen transportabel zu sein. Ich habe eine Zeitlang jeden Winter eine Kammer der Station gebaut und nach vier Jahren waren die einzelnen Kessel und das zentrale Einstiegssegment fertig.

UNTERWASSER: Wie lange standen die Stationen im Wasser?

Volker Buder: Es würde ein ganzes Büchlein füllen, alle Details zu erzählen. Im Bergwitzsee stand die große Station RII auf Säulen und einem Fundament aus drei Armeepontons etwa 11 Jahre unter Wasser. Dabei halfen viele Tauchclub-Kameraden und gute Kontakte zu Großbetrieben ebenso wie zu den Pioniertauchern des Armeestandortes Dessau.

Im Wildschütz hing die erheblich modernisierte Station RII mit einem Ballastkorb darunter an Ketten und Felsankern vor der Steilwand und absolvierte noch einmal 8 Jahre unter Wasser. Auch hier hatte ich immer viele ehrenamtliche Helfer, wenn das Handling der Stationen viel Manpower und Tauchstunden erforderte. Ebenso war es, als die RII nach Herausreißen eines Felsankers geborgen und an der Wasseroberfläche gesichert werden musste. Dafür vielen Dank in die Tauchszene!

UNTERWASSER: Der Wildschütz liegt dicht an Leipzig. Dort etabliert sich eine noch immer leicht zunehmende Tauchbasis-Landschaft. Zieht das allgemein mehr Taucher in die Region, oder zieht dies auch Gasttaucher aus dem Porphyrland und vom Wildschütz ab?

Volker Buder: Die Vielfalt der Leipziger Tauchmöglichkeiten ist toll, beeinträchtigt jedoch die Basis Wildschütz gar nicht. Im Vergleich zu den anspruchsvollen Steilwänden und Tiefen im Wildschütz kann das Tauchen in all den Tagebauseen als einfaches Strandtauchen gelten, dort kann man leichtes Urlaubstauchen praktizieren und auch leichter Ausbildung anbieten. Am Wildschütz hingegen sind Anspruch und Gefahrenlevel wesentlich höher, es ist weithin bekannt, dass hier nur fertig und gut ausgebildete Taucher mit vielen Stunden Kaltwassererfahrung ins Wasser dürfen.

UNTERWASSER: Wir bewundern Dein Tauchermuseum. Handelt es sich überwiegend um Exponate aus „dem alten Tauchen im Osten“ oder ist die Sammlung sehr gemischt? Kann man einen Zeitraum abgrenzen, der mit den Ausstellungstücken beschrieben wird?

Volker Buder: Mein Tauchermuseum umfasst etwa einen Zeitraum von 1850 bis heute. Die Exponate sind gemischt, das heißt sie kommen aus dem Bereich des Sporttauchens ebenso wie aus dem professionellen Helmtauchen oder aus militärischer Verwendung. Natürlich habe ich besonders viel zur Entwicklung der Leichttauchgeräte in der DDR sowie zu diversen Eigenbau-Kameras, wozu die frühere DDR-Tauchszene eine unendliche technische Phantasie entwickelte.

UNTERWASSER: Du bist einer der Tauchlehrer mit der meisten Erfahrung im Lande, hast gewöhnliches Pressluft-Sporttauchen, Nitrox, den Aufstieg der Rebreather und des Tech- und Mischgas-Tauchens miterlebt. Kannst Du jüngeren Tauchern etwas raten, eine Essenz formulieren, worauf sie in ihrer Ausbildung verbindlich Wert legen sollten?

Volker Buder: Ich glaube, man kann diese Entwicklung von zwei Seiten sehen, einerseits von Seiten der Ausbildung und Erfahrung, und andererseits ganz einfach betriebswirtschaftlich. Ich denke, wer sich mit Tech-Tauchen und Rebreathern auseinander setzen will, sollte zunächst unter Kaltwasserbedingungen mit Trocki, großen Doppelgeräten, Stages und redundanten Automaten im Bereich bis zu 50 Metrn Tiefe perfekt tauchen lernen. Perfekt meint, so automatisch und richtig wie Auto fahren: Man ist stets perfekt tariert, hält seine Wasserlage, wählt auch ohne Instrumente nahezu instinktiv passende Aufstiegsgeschwindigkeiten, und kann alle auftretenden Probleme selbst bewältigen. Eine Art intuitiv richtiges Tauchen.

Die Ausrüstungskosten für Presslufttauchen mit großen Doppelgeräten halten sich aus meiner Sicht in dem Rahmen, der für ein Hobby passend ist, der vertretbar ist und von aktiven Tauchern auch ausgenutzt und sozusagen „abgetaucht“ wird.

Erst diejenigen, die dieses früher als „Deep AirTauchen“ bezeichnete Tun beherrschen, sollten sich dem Umgang mit offenem Mischgastauchen, anspruchsvollen Rebreathern, Scootern etc. zuwenden. Ich verstehe gut, dass besondere Ziele wie 100 m tiefe Wracks, sehr lange Tauchgänge, sehr lange und weite Höhlentauchgänge nach all dieser Technik verlangen. Die nötigen Kurse, Ausbildungen und Wissenszuwächse sind wunderbar und immer sinnvoll. Dennoch erkauft man in diesem Bereich vergleichsweise geringe Zuwächse an Grundzeit mit exorbitanten Geldsummen. Hochkarätige Kreislaufgeräte können meines Erachtens kaum wirtschaftlich ausgelastet, also meistens nicht oft genug für eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Abschreibung genutzt werden.

UNTERWASSER: Was war Dein kuriosestes Erlebnis am Wildschütz?

Volker Buder: Eines Tages erschien hier eine Dame, stellte sich als zertifizierte Tauchlehrerin vor und wollte Kurse für 5 Personen geben. Meine Einweisung zum Wildschützsee, in dem sie nach eigenem Bekunden nie zuvor getaucht war, schlug sie aus. Nachdem die vorgelegten Papiere ergaben, dass besagte Dame mittels 21 Tauchgängen in warmen Meeren Tauchlehrerin geworden war, habe ich diese „Kurse“ nicht gestattet.

UNTERWASSER: Was sind Deine Pläne für die große Unterwasserstation RII?

Volker Buder: Die RII wird höchstwahrscheinlich noch im Herbst 2018 erneut mit Hilfe einiger Freunde an Land gesetzt und an einem Standort nahe des Seeufers fest aufgestellt. Ich werde die Station, sozusagen als mein Ruhestands-Hobby, innen und außen erneut überholen und instandsetzen. Die Station RII kann dann, wenn sie optisch und technisch wieder in Ordnung ist, als besonderes Übernachtungsappartement zu Lande dienen, als „stählerne Honeymoon Suite“. (lächelt) Ich hatte zuerst eine Wasserung mit Sicherheitsbohrungen gegen das Aufschwimmen erwogen, bin aber von einem letzten unterseeischen Standort in der Nähe des Kiosks wieder abgekommen.

UNTERWASSER: Volker, irgendwann wird es selbst für Dich eine Form des Ruhestandes geben. Kannst Duetwas dazu sagen, ob der Wildschütz als Tauchgewässer erhalten bleiben wird?

Volker Buder: Ich habe ja nun schon verraten, dass ich im Ruhestand die RII erneut in Ordnung bringen möchte. Derzeit finden Verhandlungen mit kompetenten Personen statt, von denen eine die Basis Wildschütz weiter führen wird. Der Plan ist, dass die Familie Buder privat am See wohnen bleiben und der Tauchbasisbetrieb verpachtet wird. Vielleicht hat die Basis Wildschütz schon in der Saison 2019 einen neuen Basis-Betreiber. Falls dieser wirtschaftlich erfolgreich agiert, kann er die große Station auf seine Kosten auch erneut in den See bringen, ich werde jedenfalls gern alles dafür vorbereiten.

UNTERWASSER: Vielen Dank für das Interview und Deine Zeit. Gibt es noch etwas Wichtiges zu sagen?

Volker Buder: Bald werde ich beginnen, das Wildschützer Weihnachtstauchen 2018 vorzubereiten. Vielleicht werde ich dieses beliebte Event das letzte Mal persönlich leiten …



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Zur Person

Volker Buder
Betreiber der Tauchbasis Wildschütz

Volker hat als erster eigenhändig eine Unterwasser-Tauchstation in Deutschland gebaut und in mehrere Versionen auch versenkt und betrieben. 

www.tsbuder.de

 

 

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