Interview mit Volker Bruder
Interview

»Unsere Tauchspots sind taucherisch toll und waren sogar schon TATORT«

Uwe Seidel betreibt seit Jahrzehnten die Tauchschule "Taucherparadies" Sachen, zu der auch der Westbruch ein besonders reizvoller Steinbruch-See gehört. 

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Die beiden professionellen Tauchbasis-Chefs der Porphyrland-Steinbruchseen, beide mit langer Verwurzelung in der Region, sind Volker Buder von der Tauchbasis am Wildschütz und Uwe Seidel vom Taucherparadies Sachsen Waldsteinberg. UNTERWASSER sprach mit beiden. Die Interviews führte Falk Wieland.

Die  dazugehörige Reisereportage »Porphyrland« finden Sie hier.

Uwe Seidel (63) im UNTERWASSER-Interview

Uwe, seit wann tauchst Du eigentlich, wann wurdest Du Tauchlehrer? Früher warst Du Vereinstaucher, wann wurdest Du Profi?

Uwe Seidel: Ich tauche bereits seit meinem 15. Lebensjahr. Wir hatten damals einen ganz besonderen Physiklehrer, der hat mich erst zum Segeln und dann zum Tauchen inspiriert. Ich konnte an der Gründung des heutigen Tauchvereins Leipzig-Beucha mitwirken und habe später, noch unter DDR-Verhältnissen, an der Marineschule Greifswald meinen ersten Tauchlehrerabschluss gemacht. Im Grunde haben vor allem die Freunde des Tauchclubs Beucha, die bis heute wie eine große Familie zusammenstehen, bewirkt, dass ich für mein ganzes Leben dem Tauchen verbunden blieb. Profi mit Fachgeschäft, Tauchschule und gepachtetem Gewässer wurde ich nach der Wende in den 1990er Jahren.

Kannst Du für die jüngere Generation etwas aus der DDR-Taucherzeit berichten, etwas vielleicht Typisches, heute ganz Unverständliches?

Uwe Seidel: Es gab zu DDR-Zeiten zwar militärische Taucher und professionelle Helmtaucher für Wasserbau-Arbeiten, aber kaum Taucher für zivile Hilfestellungen, wie es heute vielleicht Polizeitaucher und DLRG leisten. Das führte dazu, dass im Grunde hochqualifizierte Sporttaucher immer wieder professionelle Taucharbeiten an Talsperren, in Höhlen, in Kieswerken, bei der Bergung von Ertrunkenen oder von verlorener Technik leisteten. Geeignete Personen waren in sogenannten Bezirks-Katastrophenkommissionen registriert.

 

Kannst Du kurz erzählen, seit wann Du den Westbruch kennst, seit wann er Dein Hausgewässer ist, und wie sich der See entwickelt hat?

Uwe Seidel: Ich kenne den See seit meiner Kindheit. Das sogenannte obere Plateau, die ehemalige Zufahrtsstraße, war einst mit Kieferwald bewachsen. In diesem Kiefernwald haben wir als größere Kinder noch abenteuerlich am See kampiert. Als dieser Wald durch zulaufendes Grundwasser unter Wasser kam, erhielt der See einen Nährstoffschub, die Sichtverhältnisse wurden schlecht und es dauerte einige Zeit, bis das Gewässer diese Menge organische Stoffe verarbeitet hatte. Der Westbruch ist mein ganz besonders geschätzter Lieblingssee, für den ich glücklicherweise einen Pachtvertrag habe. Ich hege und pflege den See. Das klare Wasser und auch das außergewöhnliche Ambiente dieses rötliche Felskessels war schon mehrfach Kulisse fürs Fernsehen, hier wurden zum Beipiel Szenen für „Sprung ins Leben“, diverse Tatorte oder „In aller Freundschaft“ gedreht.

Wir haben ganz in Deiner Nähe nicht nur Ammelshain und den Hasenbruch, sondern auch Löbenberg, Blauen Bruch und viele andere. Kannst Du uns etwas zu den wilden Legenden erzählen, die einige Steinbruchseen seit dem Zweiten Weltkrieg umranken? Manchen werden gar unterirdische Verbindungen nachgesagt?

Uwe Seidel: Es gibt definitiv keine unterirdischen Verbindungen. Die Strecken sind viel zu weit und zu Kriegsende wurden viele der vom untergehenden Dritten Reich baulich begonnenen Untertage-Verlagerungen von Produktionsanlagen gar nicht mehr geschafft.

Du kennst die Gegend und ihre Geschichte gut, welche Erklärung hast Du zur Entstehung der Höhle im Haasensbruch?

Uwe Seidel: Eine sichere, definitiv richtige Erklärung gibt es meines Wissens nicht. Die Höhle könnte als Fahrzeugunterstand während Sprengungen gedacht gewesen oder zur Erkundung der Gesteinsqualität im Randbereich des Bruches vorgetrieben worden sein.

Rund um Waldsteinberg haben wir Steinbruchseen, Kiesseen und ehemalige Braunkohlengruben, die alle zu unterschiedlichen Sekundärgewässern geworden sind. Welche Seen sind Deine Favoriten, neben dem Westbruch? Kannst Du Seen passend zur Jahreszeit empfehlen?

Uwe Seidel: Es ist de facto nicht möglich, bestimmte Seen für bestimmte Jahreszeiten zu empfehlen. Alle Gewässer haben einen jeweils individuellen Jahresgang der Sichtweiten. Ich bin sehr glücklich über die Vielfalt von verschiedensten Sekundärgewässern im Porphyrland und im ganzen Raum Leipzig. Durch die tollen, überwiegend gelingenden Rekultivierungsmaßnahmen findet man jederzeit ein attraktives Tauchgewässer und es ist eigentlich kaum noch nötig, in Richtung Berlin, Brandenburg oder Mecklenburg zu fahren, um bei guter Sicht im Süßwasser zu tauchen.

Hattest Du je die Absicht, Deine Basis zu vergrößern, etwa an einen der Riesenseen rund um Leipzig zu gehen und dort etwas zu gründen?

Uwe Seidel: Ich habe mit Freude den Aufbau der Tauchbasis am Schladitzer See unterstützt, weil dortige Team-Mitglieder bei mir tauchen gelernt haben und mir das Gesamtkonzept eines Wassersportdorfes mit vielen Wassersportarten an einem großen See gefällt. Aber das war eine einmalige Aktion, und grundsätzlich bin ich hier im Umfeld von Waldsteinberg und Beucha taucherisch zu Hause und bleibe es auch.

Wie schätzt Du die Leipziger Tauchszene mit ihren Tauchschulen und Tauchbasen ein? Wird sie weiter wachsen, oder erleben wir schon ein Überangebot, das sich nicht halten kann?

Uwe Seidel: In Tauchvereinen erleben wir, dass die aktiven Taucher immer älter werden und scheinbar nur wenige Jüngere hinzukommen. Derzeit erlebe ich mit Freude, dass mir ehemalige Tauchschüler ihre Kinder für Tauchkurse anvertrauen und sich auch wieder mehr junge, beruflich erfolgreiche Leute fürs Tauchen begeistern können. Insofern glaube ich, dass die vorhandene Tauchszene langsam wachsen wird. Viele „neue Taucher“ wollen ganz einfach ein wenig beobachten, schwerelos schweben, ihre Ruhe haben. Es ist ein Irrglaube, dass jeder Taucheleve unter Wasser unbedingt komplizierte Zusatzbeschäftigungen erlernen möchte.

 

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Zur Person

Uwe Seidel
Betreiber der Tauchschule Taucherparadies Sachsen

Uwe kennt die Seen rund um Leipzig, wie seine Westentasche. Ihm selbst ist sein Westbruch noch immer der liebste Tauchplatz. 

www.taucherparadies-sachsen.de

 

 

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