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Deutschlands Apnoehoffnung über ihre WM 2019

Ein Gespräch mit Jennifer Wendland, Deutschlands bester Tieftaucherin, nach der Apnoe-WM in Frankreich.

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Die Tieftauch-Weltmeisterschaft in Frankreich ist zu Ende. Deutschlands Apnoehoffnung Jennifer Wendland belegt Platz Fünf in der Disziplin Free Immersion. Kurzfristig stand sie Unterwasser für ein Interview zur Verfügung.

Unterwasser: Bist Du noch in Frankreich oder schon wieder auf dem Weg zurück nach Hause?

Jennifer Wendland: Ich bin schon wieder zurück in Deutschland und zurück im Büro.

Unterwasser: Wie lange hast Du Dich auf diesen Wettkampf vorbereitet? 

Jennifer Wendland: Meine Vorbereitung auf die WM hat etwa vor einem Jahr begonnen. Im Winter trainiere ich viel Kraft und Ausdauer, aber auch Technik im Pool. Ab März war ich dann regelmäßig zum Tieftauchtraining in Ägypten.

Unterwasser: Was für Schwierigkeiten hattest Du bei der Vorbereitung - auf deiner Facebook-Seite hast Du von Krankheit gesprochen?

Jennifer Wendland: Leider habe ich dieses Jahr viel mit Krankheiten kämpfen müssen, mal waren es Erkältungen, mal war es Fieber oder auch beides. Warum ich ständig krank war ist ein Mysterium, das ich auch mit Hilfe verschiedener Ärzte noch nicht gelöst habe. Vermutlich waren es verschiedene Faktoren und viel Pech.

Unterwasser: In wie weit hat Dich das beim Training beeinflusst?

Jennifer Wendland: Ich konnte meine Trainingszeit in Ägypten nicht wie gewünscht nutzen, denn besonders mit einer Erkältung kommt man ja keinen Meter tief. Daher haben mein Trainer und ich irgendwann beschlossen, nicht mehr alle drei Disziplinen zu trainieren. Constant Weight, also das Tauchen mit der Monoflosse, habe ich dann aus dem Trainingsplan gestrichen, um mehr Trainingszeit für Free Immersion und Constant No-Fins zu haben. Obwohl ich auch in diesen Disziplinen weniger Trainingstauchgänge machen konnte als geplant war, habe ich meine persönlichen Bestleistungen deutlich verbessern können. Das hatte mich für die WM trotz der schwierigen Vorbereitung zuversichtlich gestimmt.

Unterwasser: Wie zufrieden bist Du mit Deiner Leistung bei dieser WM?

Jennifer Wendland: Vor dem Hintergrund meiner Trainingsleistungen kann ich mit meinen Ergebnissen von der WM nicht zufrieden sein. Leider habe ich in Nizza erneut mit Fieber zu kämpfen gehabt und den Großteil der Zeit im Bett verbracht. Meinen ersten Tauchgang in Constant No-Fins habe ich noch mit leichtem Fieber gemacht, da die angesagte Tiefe im Training keine große Herausforderung war. Das war rückblickend keine gute Idee und resultierte nach dem Auftauchen leider in einem Blackout. Für die anderen Disziplinen habe ich dann für mich noch konservativere Tiefen gewählt. Die Gesundheit geht vor. Auch wenn ich mit dem Verlauf der WM nicht glücklich bin, so habe ich doch während des Trainings große Fortschritte gemacht. Rückschläge gehören im Leben eines Athleten dazu. Jetzt ist es wichtig, dass ich aus dieser Erfahrung lerne.

Unterwasser: Du trainierst in Sharm el Sheik in Ägypten. Die Wassertemperaturen dort sind vor allem im Oberflächenbereich deutlich wärmer als in Frankreich, wo die WM stattfand. Könnte das nicht ein Nachteil für Dich sein?

Jennifer Wendland: Ich habe das nicht als Nachteil empfunden, eher im Gegenteil. Das Wasser in Ägypten ist mir im Sommer eigentlich zu warm. Im kälteren Wasser vor Nizza ist der Tauchreflex viel stärker. Wenn ich in der Tiefe das kalte Wasser spüre, erlebe ich den Tauchgang außerdem viel intensiver und bewusster. In der Kombination mit der größeren Dunkelheit hatte es auf mich eher eine beruhigende Wirkung.

Unterwasser: Ich verfolge schon seit einiger Zeit Apnoewettkämpfe. Bei dieser WM hatte ich das Gefühl, es gab überproportional viele Black-Outs, vor allem in den ersten Tagen. Wie siehst Du das und woran könnte das gelegen haben?

Jennifer Wendland: Ich vermute das hing zum Teil mit der Organisation zusammen. In der Regel gibt es vor der WM offizielle Trainings, in denen man schon im späteren Wettkampf-Setup trainieren kann. Dadurch ist der Athlet bereits mit dem Ablauf und der Infrastruktur vor Ort vertraut. In Nizza gab es diese Möglichkeit leider nicht. So waren wir zu Beginn des Wettkampfes mit vielen neuen Eindrücken und Abläufen konfrontiert, die nicht unbedingt zur Entspannung beigetragen haben.

Unterwasser: Was ist der nächste Wettkampf auf den Du dich vorbereitest?

Jennifer Wendland: Meine Saison ist jetzt vorbei und ich freue mich darauf in den nächsten Wochen viel Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen und wieder viele Kilometer mit dem Rennrad zu fahren. Die Saisonplanung für 2020 beginne ich frühestens im November.

Unterwasser: Herzlichen Dank, Jennifer, für Deine ehrlichen Antworten.

Mehr davon? Bereits vor einiger Zeit spachen wir ausführlich mit Jennifer Wendland über ihren Sport, ihre Ziele und ihr Training.

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