Uboot auf den MaledivenReefcalendar

Höhlenunglück in Thailand

Höhlenunglück in Thailand: "Die gezeigt Ausrüstung ist nicht optimal", sagt unser Höhlentauchexperte Matthias Richter. 

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Interview zur aktuellen Lage in Thailand ... 

Zwölf Jungen einer thailändischen Fußballmannschaft und ihr Trainer waren am Montag nach neuntägiger Suche lebend in der kilometerlangen Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands von britischen Tauchern gesucht und gefunden worden. Darauf hin wurden Sie mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut. Bei einem der „Versorgungstauchgänge“ kam ein thailändischer Rettungstaucher mutmaßlich wegen Sauerstoffmangels ums Leben. Die endgültige Rettung des Fußballteams ist aber kompliziert, da viele Kammern der Höhle überflutet sind und zusätzlich weitere Regenfälle die Lage vor Ort erschweren.

Wir haben mit Matthias Richter, Höhlentaucher und Geschäftsführer Bergwerktauchen UG Nuttlar, sowie Tauchlehrer-Ausbilder bei SSI und IANTD zu den aktuellen Ereignissen in Thailand gesprochen und um seine Einschätzung der Lage gebeten.

Mehr Infos zum Unglück gibt es in allen tagesaktuellen Medien.

„Die sollten das Leuten überlassen, die sich mit Höhlentauchen auskennen ...“

Kannst du etwas zur aktuellen Lage vor Ort sagen, hast Du Kontakte vor Ort?

Ich kenne zwei Leute vor Ort. Ich habe aber keinen Kontakt zu ihnen und werde ihn auch nicht suchen, da sie mit Sicherheit gerade genug um die Ohren haben. Da muss ich sie nicht auch mit Fragen bombardieren. Ich kenne die Fakten auch nur aus den Medien und von Leuten, die mit den beiden gesprochen haben. Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass sie unter enormen Zeitdruck arbeiten, da der Monsun schnell näher rückt. 

 Es soll bereits einen toten Navy Seal geben. Das deutet für Außenstehende darauf hin, dass Rettungsaktion nicht so leicht umsetzbar ist, wie gedacht. Worin liegen hier die Schwierigkeiten?

Meiner Meinung nach hat kein Mensch etwas in einer Höhle zu suchen, der nicht die dementsprechende Ausbildung hat. Auch nicht, wenn es ein Navy Seal ist. Das sollten sie den Leuten vor Ort überlassen, die sich mit dem Höhlentauchen auskennen. In den Medien sieht man nur die Seals mit den Monoflaschen, dabei sind auch sehr erfahrene Höhlentaucher mit dem richtigen Equipment vor Ort. Die Rettungsmission wird eine echte Herausforderung für alle. Für die Kinder wird es ein enorm psychischer Stress sein, da sie noch nie getaucht sind. Hinzu kommen schlechte Sicht, Engstellen und schlechte körperliche Fitness der geschwächten Kinder. Ich ziehe den Hut vor jedem Taucher, der dort ist, um den Kindern zu helfen. Denn sie begeben sich ebenfalls in große Gefahr indem sie mit den Eingeschlossenen bei diesen Bedingungen tauchen gehen. Man spricht von Sichtweiten von teilweise nur zehn Zentimetern.

Nach aktuellem Stand will man den Kindern vor Ort das Tauchen beibringen. Für wie realistisch hältst du das?


Es ist für viele schon eine riesige Überwindung, im offenen Gewässer oder im Pool die ersten Schritte zu machen, geschweige denn in der völligen Dunkelheit einer Höhle. Letzten Endes haben sich die Kinder aber auch wirklich tapfer in den letzten Tagen verhalten und ich hoffe, dass sie beim Tauchen in der Höhle ebenfalls so mutig sind. Fakt ist, dass Kinder bei solchen Sachen in der Regel unkomplizierter sind als Erwachsene. Man wird ihnen auch nicht das Tauchen beibringen können, sondern sie nur auf das Atmen und die Fortbewegung unter Wasser sowie den Druckausgleich vorbereiten können.

Welche Überlebenschancen räumst Du persönlich der Gruppe ein?


Wie ich schon sagte, ich hoffe dass die Eingeschlossenen alles umsetzen, was Ihnen gelehrt wurde und auch die Psyche mitspielt. Des Weiteren hoffe ich, dass keine starken Niederschläge auftreten, denn ansonsten kann es sein, dass noch nicht einmal die Rettungstaucher ins System tauchen können, da die Strömung zu stark ist. Ich möchte dazu lieber kein Statement abgeben. Als Vater von drei Kindern hoffe und wünsche ich mir, dass es alle schaffen werden und auch kein weiterer Taucher auf dieser Mission zu Schaden kommt.

 

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