| Minentaucher und Kampfschwimmer |

Taucher bei der Marine

In den Spezialisierten Einsatzkräften Marine (SEK M), stationiert in Eckernförde an der Ostsee, sind die tauchenden Einheiten der deutschen Seestreitkräfte zusammengefasst: die Kampfschwimmer und die Minentaucher. Keine Laufbahn für Warmduscher.

Beim Orientierungstraining: Kampfschwimmer der Bundeswehr © Norbert Probst

Die Kampfschwimmer

Durch den ersten Akt der Ausbildung müssen die angehenden Kampfschwimmer und Minentaucher gemeinsam. Erst nach dem Schwimmtaucherlehrgang (acht Wochen Tauchlehrgang mit Pressluft, angereichert mit Unterwasser-Arbeiten) trennen sich die Wege: Vor dem sechswöchigen Auswahllehrgang entscheidet sich, ob der Weg zu den eher offensiv veranlagten Kampfschwimmern oder zu den Minentauchern führen soll. So oder so, in diesem Kurs werden die ersten Möchtegerns und andere Bewerber aussortiert, deren Körper und Geist den Anforderungen in den SEK M nicht gewachsen sind.


Training im Hallenbad: Tretmühle für Kampfschwimmer und Minentaucher © Norbert Probst
Nach dem Auswahllehrgang geht die Schinderei für beide Einheiten weiter. Die harte Ausbildung dient gleichzeitig der Auslese. Im Falle der Kampfschwimmer dauert es rund drei Jahre nahezu pausenloser Quälerei, bis sich ein Anwärter den begehrten »Fisch« an die Brust heften darf und seine dreistellige taktische Nummer erhält. Eine Zeit, die gefüllt ist mit Tauchübungen in der Schwimmhalle, gerne auch mal nachts, mit Geländeläufen und endlosen Märschen, mit Gefechts-übungen, langen und schwierigen Tauchgängen in der Ostsee, einem 30-Kilometer-Schwimmen mit Rebreather und Ausrüstung, Übungen zum Ein- und Ausschleusen aus dem Torpedorohr eines U-Boots und vielem mehr. In guten Jahren schafft es ein Drittel der Kampfschwimmer-Anwärter durch diese Tretmühle. In schlechten Jahren schafft es gar keiner.

Kampfschwimmer: Das Ziel wird unter Wasser erreicht, der Auftrag meist an Land erfüllt © Norbert Probst
Der Aufgabenbereich der Kampfschwimmer ähnelt denen ihrer Kollegen aus anderen Ländern: Kampf gegen Terroristen, Sabotageakte, Aufklärungsaktionen und Informationsgewinnung im Feindesland, Unterstützung von Evakuierungsmaßnahmen, Schutz eigener Schiffe und Anlagen, Embargokontrollen. Kampfschwimmer haben viele Möglichkeiten ins Einsatzgebiet zu gelangen: schwimmend oder tauchend, mit Speedboot oder Kajak, mit Hubschrauber oder per Fallschirm.
 

Die Minentaucher

Vor der Kasernentür: Training im Hafenbecken in Eckernförde © Norbert Probst
Der Job des Minentauchers ist noch »nasser« als der des Kampfschwimmers. Während letztere das Wasser in erster Linie als »Verbringungs-Methode« sehen, spielt sich ein großer Teil der Minentaucher-Einsätze tatsächlich im nassen Element ab. Wie schon der Name sagt: Zu den Hauptaufgaben der Einheit zählt das Identifizieren, Vernichten oder Bergen von Minen und anderen Kampfmitteln. Neben dieser »klassischen« Aufgabe überprüfen Minentaucher Schifffahrtswege, suchen Flachwasserzonen und Schiffe nach Explosivmitteln ab oder beseitigen Kampfmittel in Hafenanlagen. Außerdem unterstützen sie regelmäßig zivile Dienststellen, beispielsweise die Polizei oder Rettungsdienste. Kampfmittelbeseitiger, Bootsführer, Kraftfahrer, Feuerwerker: Ein ausgebildeter Minentaucher ist all das in einer Person – und wenn kein Wasser in der Nähe ist, dann entschärft er »seine« Minen oder »Improvised Explosive Devices« (IED) eben an Land.


Angenehme Seiten: Minentaucher-Übung auf Sardinien © Thomas Mattner
x Bis er soweit ist, muss er allerdings durch eine Tretmühle, die der Kampfschwimmer-Schinderei in nichts nachsteht: In der Schwimmhalle werden die Minentaucher ähnlich malträtiert wie ihre Eckernförder Nachbarn. In der Ostsee werden die Bewerber mit den unterschiedlichen Tauchgeräten gedrillt – bei Tag und bei Nacht, bei jedem Wetter, im Winter wie im Sommer, in guten wie in schlechten Zeiten. Sport steht ständig auf der Tagesordnung, und oft genug wird die Kräfte zehrende Ausbildung durch Schlafmangel erschwert.
Ein Pensum, dass viele nicht durchstehen – was einer der Gründe dafür ist, dass derzeit von rund 120 Minentaucher-Planstellen nur ein gutes Viertel besetzt ist. Diejenigen, die durchgehalten haben, müssen weiterhin ständig am Ball bleiben. Jahr für Jahr muss jeder Kompanieangehörige mindestens 24 Stunden Tauchzeit nachweisen, darunter Tauchgänge bei Strömung und bei Nacht, unter der 30- und der 40-Meter-Marke, Abstiege mit den diversen Tauchgeräten der Minentaucher  (PTU Divator Mil/PA20, LAR VII-Kombi, Stealth EOD-M) sowie Unterwasser-Arbeiten mit unterschiedlichen Spreng- und Zündmitteln (siehe Reportage in unterwasser 9/2008).

 

Bisher sind noch keine Kommentare vorhanden, wir freuen uns auf Ihre Eindrücke!

Ihr Kommentar