| Online-Tagebuch: Sardinien |

Tag 5: Im Nationalpark Capo Carbonara

Eigentlich ist das Wasser im Golf von Cagliari heute zu aufgewühlt für eine längere Ausfahrt. Der Mistral versetzt das Mittelmeer in Wallung, und das Mittelmeer gibt seinen Zorn über den Schlauchbootwulst an uns weiter. Jede größere Welle entlässt uns mit einem kräftigen Tritt in den Allerwertesten aus ihrem Wirkungsbereich, aber nur, um der nächsten Platz zu machen.

Steinerner Garten: Tauchplatz Secca di Santa Catarina © Martin Strmiska

Nur 20 Minuten haben wir für den Hinweg gebraucht, in den Nationalpark beim Capo Carbonara und zum Tauchplatz „Secca di Santa Catarina“. Aber jetzt, auf dem Rückweg, hat der Wind aufgefrischt und bläst uns ins Gesicht, so dass wir mehr als doppelt so lang brauchen. Tut der Stimmung aber keinen Abbruch, denn der Ausflug in den Nationalpark hat sich gelohnt. Wer behauptet, dass es im italienischen Mittelmeer keine kapitalen Zackenbarsche mehr gäbe, wird hier eines Besseren belehrt. Und wer meint, dass man um die halbe Welt reisen muss, um riesige Barrakuda-Schwärme zu sehen, der täuscht sich auch.
Am Nachmittag machen wir uns auf die Suche nach dem „wahren Sardinien“. Das, so sagt hier jeder Einheimische, liegt nämlich nicht an der Küste. Die Küste, das ist Italien. Die schroffe Berglandschaft im Landesinneren, das ist Sardinien. Über allerhand Serpentinen bringt uns unser Fiat 500, den wir mittlerweile richtig liebgewonnen haben, in die Ortschaft San Gregorio. Eine kleine Kirche, leider verschlossen. Südländische Architektur unter einem makellos blauen Himmel, abbröckelnder Putz. Geschlossene Fensterläden. Keine Menschenseele. Dahinter karge Berghänge. Einen richtigen Italo-Western könnte man hier drehen. Dazu passen auch die älteren Herren, die im nahgelegenen Ort Burcei an der Straße sitzen. Und die ganze Zeit schweigen.

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Text: Lars Brinkmann

 

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