| Gumpentauchen in Oberösterreich |

Den Bach ‘runter

Attersee, Traunsee, Hallstättersee, Wolfgangsee – lauter klingende Namen aus dem Salzkammergut. Aber wer kennt schon den Mitterweißenbach, den Rettenbach oder gar den Mirchtlbach? Harald Hois hat sich auf den Weg in die kristallklaren Gumpen dieser Gebirgsbäche gemacht.

Felsbecken mit Durchblick: der Mitterweißenbach © Harald Hois

Zzzzzip. Und zu ist er, der Tauchanzug. Ein 7-mm-Halbtrockener sollte es schon sein. Noch schnell Blei umgeschnallt, die 8er Flasche auf den Rücken geschwungen, Automaten und Luft gecheckt, Maske, Flosse, Handschuhe, Kameraprobeschuss, und schon geht’s los. Die fließenden Gewässer südlich des Höllengebirges zwischen Attersee und Traunsee versprechen nicht nur klare Sicht sondern auch eine gewisse Frische – daher der Halbtrockene.
Wir befinden uns am Mitterweißenbach, recht nahe am Tauchermekka Österreichs, dem Attersee. Nur etwa zehn Autominuten entfernt von dessen Südspitze, bei Straßenkilometer 9,4 der Weißenbachtalstraße, mündet der Höllbach in den Mitterweißenbach. Gleich danach bietet uns ein großer asphaltierter Parkplatz mehr als genügend sauberen und trockenen Platz zum Umziehen.

Der Mitterweißenbach
 

Zugegeben: Der schmale, steile Steig vom Parkplatz hinunter zu den ersten Gumpen, der ist schon etwas mühsam. Vor allem, wenn es hier mal richtig nass ist. Aber nach fünf Minuten Abstieg prahlt der Bach mit seinen schönsten Seiten. Die über Jahrtausende ausgewaschenen Felsbecken, Gumpen genannt, verlangen regelrecht nach einem Sprung ins kühle Nass. Was hier um unsere Waden strömt, ist definitiv Trinkwasser. Ein kühler Schluck nach schweißtreibendem Einsatz: kein Problem. Schon nach dem ersten Blick ins türkisgrüne Unterwasserreich überzeugt der Bach mit einer tollen Sichtweite, jeder Menge Fisch und einem kleinen Wasserfall, im dem die Forellen und Saiblinge immer wieder nach frischem Futter schnappen.

Lohn der Mühe: kristallklare Gumpe nach schweißtreibendem Abstieg © Harald Hois

Wir durchwaten die erste knietiefe Gumpe, um schon nach zwei Minuten am ersten größeren Becken anzukommen. Das Bassin, links und rechts von schroffem Fels begrenzt, geizt zwar mit Größe aber nicht mit Kehrströmung und Fisch. Im zehn bis zwölf Meter Durchmesser großen Pool ziehen und drücken einen die Wassermassen rauf und runter. Verankern ist hier unten nur mit viel Übung möglich. „Unten“, das heißt hier maximal drei Meter. Nichts für „Ohrenschwache“ oder „Druckausgleich-Beeinträchtigte“.  Nach einigen Minuten gewöhnen wir uns an die Waschküche, weil wir immer wieder am gleichen Platz vorbeidriften und somit unterschiedliche Fotoeinstellungen ausprobieren können. Die Fische stoben nur beim allerersten Platsch ins Wasser auseinander – jetzt sind wir Teil von ihnen und „dürfen“ uns ganz nahe an sie heranwagen. Direkt unter dem Wasserfall, dort wo die Strömung am stärksten ist, ragt ein letzter Rest einer mächtigen Baumstammgabel senkrecht zwischen zwei Felsbrocken hervor. Dort will ich hin. Mein Gott, strömt das hier. Man ahnt gar nicht, wie rasch acht Liter halbleer sein können.
Gumpentauchen: am schönsten - und am sichersten - bei Sonnenschein. © Harald Hois

Egal, jetzt heißt es weiter in den nächsten Topf klettern. Irgendwie müssen wir über den Wasserfall kraxeln, um in ein größeres, tieferes – geileres! – Becken zu gelangen. Die Kamera? Hier hilft nur ein guter Domeportschutz! Ächzend, ziehend, schrammend über den Fels, gegen das anströmende Wasser – nur mit Tricks schaffe ich’s: Links ein leichter Strömungsschatten, in dem ich im Donald-Duck-Vollgas-Flossenschlag über eine Felskante schmierend endlich ins ersehnte Bassin rutsche. „Das schaffe ich nie“, ruft Nikola von unten. „Ach was – ein ordentlicher Flossenschlag und du bist drüben“, muntere ich sie auf, schwer verständlich durch das Tosen des Wasserfalls. Brav, sie versucht es; kaum in meiner Nähe angekommen, hieve ich 50 Kilogramm Nikola am Flaschenventil in den großen Pool.
Und die Mühe lohnt: Ein vier Meter hoher Wasserfall speist das Becken, in dem wieder Kehrströmung vorherrscht. Doch hier geht es auf sieben Meter runter. Wie eine riesige, aber glatte Nussschale von innen – so ist der Fels hier geformt. Der Lichteinfall (kurz nach Mittag) ist perfekt. Wasserfallbilder und Fischportraits – alles ist hier möglich, ganz ohne Stress. Die Zahl der Fische ist noch größer als im tiefer liegenden Becken – immer wieder zischen die Saiblinge um unsere Flossen.

Nach einer guten Stunde Gumpentauchen, -rutschen und Felskuscheln entscheiden wir uns für eine Pause, gleich am Bach. Idyllisch ohne Ende. Obwohl die Straße nur fünf Gehminuten entfernt liegt, kriegen wir von der beliebten Motorradstrecke kein bisschen Lärm mit. In aller Ruhe verzehren wir unsere mitgebrachte Jause. Durst kommt auch keiner auf - kühles Nass in Trinkwasser-Qualität gibt’s hier in Hülle und Fülle.
Während unserer Siesta wärmt uns die Sonne durch die Trocki-Unterzieher. Womit wir auch schon bei der Kehrseite des Gumpen- und Gebirgsbachtauchens sind: Es braucht unbedingt tolles Wetter, und zwar über einen längeren Zeitraum hinweg. Die idealen Zeitfenster für das Gumpentauchen lassen sich daher nur schwer voraussagen (wie das Wetter eben auch). Tauchgänge sind nur bei guten Bedingungen ratsam, und eine entsprechende Information übers Fließgewässertauchen ist allen Ortsfremden wärmstens zu empfehlen (siehe Infokasten).
Schneeschmelze und lange Regenzeiten stellen ein absolutes „no go“ für Flusstaucher dar. Und selbst wenn mal eine Woche lang die Sonne scheint, gilt es noch immer, die Wetterprognosen zu beachten: Ein plötzliches Gewitter mit den einhergehenden Wassermassen spült jeden Taucher wie einen Sektkorken durch die Felsengen. Gute Information und Recherche sind Pflicht! Die umliegenden Salzkammergutseen (der Attersee gleich anbei) bieten im Falle von Regen bzw. Schlechtwetter genug Möglichkeiten für sichere Tauchgänge.

3 Kommentare


 
johann42195 schrieb am:

Hallo
bin voriges Jahr anfang Okt bei km 10. 8 mit
meiner 5 lt flasche rein

Ist ja total super - besonders zum fotographieren

Dank Eures Buches

werde diese jahr auch noch andere Stellen aufsuchen die sehr gut beschrieben sind.

solltet euer Buch aus den regalen nehmen - sind ja lauter geheimtipps—psst

mfg Johann

 

smutje schrieb am:

Hallo,
das Buch super, Gumpentauchen noch superer.
Aber - Mirchtelbach heißt in Wirklichkeit Mörtelbach, war auch schon im Buch falsch geschrieben.

Peter

Tamara schrieb am:

Ich will mir eine Unterwasserkamera kaufen und habe so Eure Webseite gefunden. Ich bin beeindruckt von den Bildern - ihr müsst richtige Experten sein.
Ich will mir eine digitale Unterwasserkamera kaufen. Auf http://www.unterwasserkamerawelt.de wird eine Canon PowerShot empfohlen. Kennt Ihr diese Kamera und könntet Ihr sie einer Anfängerin empfehlen?
Danke, Tamara

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