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| [Leseprobe], 24º5º2007 8:49 |
Alles im Fluss
Für einen Kurzurlaub ist Österreich erste Wahl. Insbesondere, wenn man tauchen gehen will. Unser Österreich-Experte Harald Hois hat einen ganz besonderen Tipp für Sie parat: Gebirgsbach-Tauchen!
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Foto: Harald Hois
Mehr aus dem aktuellen Heft:
Alles im Fluss« ist die kurze Antwort des Berg- und »Flussführers« Lois Männer auf die Frage, wo man die meisten Tiere der Alpen hautnah erleben kann. Nicht an Land, sondern unter Wasser ? das ist klar. Aber eher im Bach als im See löst doch Verwunderung aus. Dass man in Österreich und dort vor allem im Salzkammergut hervorragend tauchen kann, ist längst kein Geheimnis. Dass man in den kleinen Gebirgsbächen aber mindestens ebensogut untertauchen kann, wissen nur sehr wenige Unterwassersportler. Deshalb haben sich neuerdings einige der ortsansässigen Tauchschulen im »Tauchkompetenzzentrum Attersee« zusammengeschlossen und bieten neben ausführlichen Infos zum See auch Ratschläge für erholsame Tauchaktivitäten in den Bergbächen rund um den größten oberösterreichischen See. Einige Tauchschulen bieten sogar begleitete Touren an, wie eben Lois Männer von der Nautilus Dive-Company in Weyregg.
[ Flusstauch-Ausrüstung ]
Zipp! Der Neoprenanzug ist zu. Letzter Ausrüstungs-Check, und los geht?s. Mit vorsichtigen Schritten staken fünf Schnorchler wie Störche über die blank gewaschenen tennisballgroßen, hellen Rollsteine des Mitterweißenbachs. Flossen und Maske ums linke Handgelenk gezurrt, bleibt die rechte Hand frei zum Gleichgewicht halten. Mehr braucht man eigentlich nicht für einen erholsamen Marsch durch die Wasserlandschaft eines Gebirgsbaches. Unter den fünf Abenteurern sind die beiden Mittdreißiger Karsten und Nina, Sporttaucher aus Hannover, die nicht zum ersten Mal den Attersee für einen Tauch-Kurzurlaub ausgewählt haben. Diesmal allerdings wollen sie das volle Programm: Neben Tauchgängen im Attersee erstmals auch Tauchen im Gebirgsbach! Und damit nichts schiefgehen kann, haben sie Lois für die kombinierte Bergwanderung und Tauchtour »gebucht«. Weil eine Tauchtour durch die Bächer der Alpen kinderleicht ist, hat Lois seinen neunjährigen Sohn Patrik mit dabei. Komplettiert wird das Quintett von Harald Hois als u-Fotograf und Reiseberichterstatter.
Foto: Harald Hois
[ Bergwanderung ]
Lois bietet seinem Kleinen an, die Gruppe die ersten Meter zu führen. Das Wasser sieht schon von weitem glasklar aus. Unglaublich klar! Am recht breiten Bachbett angelangt, treibt es uns sofort ins Wasser ? jeder will den ersten Blick ins kühle Nass werfen. Eine kleine Bachforelle huscht vorbei, verdutzt ob der Tatsache, dass hier plötzlich Neoprenjünger auftauchen. »Is goa ned koid« (hochdeutsch: »Es ist gar nicht kalt«), meldet sich Patrik zu Wort, sichtlich begeistert vom spritznassen Wasser. Knietief geht?s bachaufwärts, in Richtung Klamm. Bachaufwärts deshalb, weil der Schritt gegen den Strom stets eine perfekte Sicht im frisch zulaufenden Gebirgswasser ermöglicht. Keine Spur von Kälte ? Neopren macht?s möglich. Im Gegenteil. Hie und da öffnen wir zwecks Abkühlung sogar mal die Reißverschlüsse. Eine beeindruckende Landschaft empfängt uns. Fernab jeglicher Zivilisation, meint man, obwohl wir nur etwa 150 Meter vom Parkplatz im Weißenbachtal entfernt unterwegs sind.
Auf der einen Seite des Mitterweißenbachs führen steile, graubraune Felswände empor. Die Sonne blinkt durch die Baumkronen und wärmt uns wohlig. Die nördliche Bachseite erstreckt sich topografisch zunächst noch recht flach, später finden wir auch hier klammähnliche Verhältnisse vor. »Eine beeindruckende Kulisse«, staunt Nina und zeigt auf die Bäume, die aussehen, als ob sie jemand in die Felswand gerammt hätte. Wir fühlen uns wie Entdecker, denn an jeder Ecke empfängt uns ein neuer Eindruck. Da ein kleiner Fischschwarm, dort ein Feuersalamander. Bei jedem Schritt ist Vorsicht geboten, da die teilweise recht glitschigen Steinplatten einem rasch den festen Tritt entziehen können. Platsch! Nina hat?s erwischt ? pitschnass von oben bis unten. »Super ? das erste Vollbad kostet dich eine Runde,« lacht Lois.
Foto: Harald Hois.
[ Tauchen im Kristallwasser ]
Wir erklären uns solidarisch und hechten ins kühlende Nass. Mit allem haben wir gerechnet, aber nicht mit solchen Sichtweiten, mit diesem »Szenario aus Berg, Wasser, Fisch und Schlucht«. Zehn Minuten weiter bachaufwärts überrascht uns eine »Gumpe«: ein riesiger, steinerner »Topf«, ausgewaschen von der Kraft des Wassers seit Jahrmillionen. Hier wird?s tief! Ein Baum, der durch die Schlucht in die Gumpe geschwappt wurde, ruht am Grund und bietet Bachforellen Schutz. Endlich hat Patrik seine Forellen gefunden. Aufgeregt schreit er: »Da san se, die Forön untam Bam« (hochdeutsch: »Dort sind die Forellen unter?m Baum«)! Der quirlige Naturbursch hält die Luft kurz an und taucht ab. Nach einer halben Minute fuchtelt er aufgeregt »So groß is sie! Fost an hoibm Meta« (hochdeutsch: »So groß ist sie ? fast einen halben Meter«). Auch wir wollen den Fisch sehen und atmen kurz ein, um abzugleiten. Direkt unter einem kleinen Wasserfall stehen die Bachforellen und huschen spielerisch durch das sauerstoffreiche Wasser, während wir uns flosselnd der leichten Strömung entgegenstellen.
[ Kletter- und Schwimmkünste ]
Rechts vom Wasserfall erlaubt uns eine Felsnase den Ausstieg. Auf allen Vieren krabbelnd setzen wir den Weg bachaufwärts fort. Kein Meter gleicht hier dem anderen. Mal dreißig Zentimeter tief, mal drei bis vier Meter tief, mal marschierend, mal schwimmend ? so geht?s rein ins Gebirge. Direkt unter einem hohen Felsvorsprung liegen drei direkt aufeinander folgende Gumpen. Wie in Stein gehauene Swimmingpools wirken sie. Die Wasserqualität ist beeindruckend gut. Wer will, kann während des Tauchgangs einen Schluck kosten. Und klar ist das Wasser! Wer am Bachgrund flosselt, wird unzählige Insektenlarven finden ? auf der Suche nach Beute wie kleinen Fischen und Amphibien, ehe die »metamorphierten« Insekten später selbst zur Beute werden. Diese »Tour de Natur« dauert ungefähr zwei Stunden, in denen einem nie kalt wird ? die richtige Ausrüstung vorausgesetzt! Alle aus unserer kleine Gruppe sind begeistert. Jetzt freuen wir uns auf eine herzhafte Brettljause auf der Schmaussinger Alm und schwören, bald wieder einen Gebirgsfluss in Angriff zu nehmen. Denn wo echte Tauchabenteuer locken, wissen wir jetzt: »Alles im Fluss.«
Text: Harald Hois.
[aus: unterwasser 6/07]

 
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