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| Schiffsmeldungen, 12º9º2005 9:05 |
Greenpeaceschiff durchkreuzt die Barentsee
Die Barent-See und das Gebiet um die Lofoten gehören zu den letzten kaum berührten Flecken der Welt. Jetzt drohen zerstörische Schleppnetzfischerei, Öltransporte und der Bau neuer Bohrinseln. Das Greenpeace-Schiff "Esperanza" war zwei Wochen unterwegs, um einzugreifen. Mit an Bord: -Redakteurin Kristin Wunderlich.
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Millionen von Seevögeln brüten in den Gewässern nördlich des Polarkreises, die Tiefen der kalten See sind mit der einzigartigen und noch völlig unerforschten Lebensgemeinschaft der Kaltwasser-Korrallenriffe besiedelt, und der letzte gesunde Bestand des weltweit bereits völlig überfischten Kabeljaus lebt hier.
Seit 2001 erarbeitet Norwegen einen Integralen Managementplan (IMP) für seinen Meeresraum, der sechs Mal so groß ist wie die Nordsee. Im Frühjahr 2006 soll diese Bewirtschaftungsschema verabschiedet werden und für die nächsten 20 Jahre Gültigkeit besitzen. Damit ist Norwegen das erste Land, das eine kohärente Herangehensweise für alle seine marinen Gebiete entwirft. Das birgt eine große Chance und könnte ein positives Beispiel für gelungenes Ozeanmanagment werden. Doch die tatsächlichen Entwicklungen geben Anlass zu Sorge.
Gefährdet: die wunderschöne Inselwelt der Lofoten.
Gefahr 1 und 2: Ölgewinnung, Öltransporte
Bis zu diesem Jahr war die Barent-See aufgrund ihrer Umweltbrisanz für jegliche Ölförderung geschlossen. Doch nun soll gerade mal 80 Kilometer nordwestlich der norwegischen Stadt Hammerfest das "Goliath-Feld" zur Ölförderung erschlossen werden. 2004 passierten bereits zwei bis drei russische Tanker die norwegische Küstenlinie, um Öl aus Murmansk nach Amsterdeam oder in die USA zu transportieren. Experten gehen davon aus, dass 2015 drei voll beladene Tanker täglich diese Route nehmen, um 100 bis 150 Tonnen Rohöl jährlich zu transportieren.
Gefahr 3 und 4: Überfischung und die Methoden
Neben der Ölausbeutung und den damit drohenden Umweltgefährdungen für die Natur und die ansässige Bevölkerung steht auch der Kabeljau-Bestand von einer Bedrohung. Über Jahrhunderte entnahmen die lokalen Fischer dem Meer nur so viel, wie auch wieder nachwachsen konnte. Und bewahrten sich somit den weltweit letzten gesunden Bestand des begehrten Speisefisches. Jetzt drängen große Fabrik-Flotten nach. 800 Fischer verlieren jählich ihre Arbeit. Die jährliche offiziell erlaubte Fangquote von 400 000 Tonnen liegt bereits über den Empfehlungen des internnationalen Rates für Meeresforschung (ICES). Durch illegale Fischerei kommen hierzu noch einmal geschätze 100 000 Tonnen. Das ist bei weitem mehr, als der Bestand verkraften kann.
Kaltwasserkoralle als "Beifang". Dieser Korallenstock ist um die 500 Jahre alt.
Katastrophal ist diese Fischerei nicht nur für die ansässigen Fischer und den Kabeljaubestand, sondern für das gesamte Ökosystem der Barent-See. Bei der Methode der Schleppnetzfischerei werden Netze von der Größe mehrer Fußballfelder über den Boden gezogen. Tonnenschwere Scherblätter halten die Netze offen. So wird eingesammelt und plattgemacht, was sich den Netzen in den Weg stellt. Und damit auch die wertvollen Kaltwasserriffe, die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurden und noch völlig unerforscht sind.
Unterwegs in und für die Barent-See: Das Greenpeace-Schiff "Esperanza".
Schiffsmeldungen
Greenpeace ist mit seinem Forschungsschiff "Esperanza" von 13. bis 25. September in der Barents-See unterwegs, um die Situation zu dokumentieren, die Interessen der norwegischen Bevölkerung zu vertreten und auf die Missstände aufmerksam zu machen. Mit an Bord ist -Redakteurin und Diplom-Biologin Kristin Wunderlich. Sie wird jeden Tag auf in ihren Schiffsmeldungen über die Geschehnisse berichten.

 
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